Oktober.03 Einmal Junkie immer Junkie (Schäufeles Memoiren)
Bei der letzten Ausfahrt hab ich‘s gemerkt: der Körper will nicht mehr. Zu viele Kuppen, zuviele Ortsschilder. Mein hochsensibler Athletenkörper brauchte eine Pause, Auszeit, Finito, Recharging, Sendepause. Es regnete gerade, also hab ich mir gedacht „Jetzt schnell zwei Wochen Winterpause und dann geht’s frisch an die nächste Übersaison!“
Ein Wochenende später die goldene Versuchung, strahlendes Wetter, Temperaturrekord im Oktober, die Freunde locken „nur locker und flach die Enneperunde“... Also rein in die ¾ Hose und die käsigen Beine in den Wind gehängt, Kuppe - Ortschild - Kuppe, kleiner Formtest. Dann den letzten „Col de la Schluss“ 15 Höhenmeter direkt vor der Haustür von hinten durchs Feld prächtig, Sieger! Am Sonntag an der Stadthalle melden sich wieder die Wehwehchen, der Körper will seine Pause- und Rainer W. aus W. seine Rampen. Beides geht nicht, ich beschließe eine psychologioschen Berater hinzuzuziehen. Wofür hat man denn seine Krankenkasse? Pünktlich Montag morgens um acht sitzt ich beim Seelenklemptner im Wartezimmer und will mir einen Krankenschein holen. Um mich rum nur Rentner und plärrende Blagen.
Während ich so beginne vor mich hinzuschlummerm, träume ich was ich mit der freien Zeit demnächst alles anfangen kann... Frau Nölle Neumann, die Psychaterin checkt mich erstmal vollkommen durch und stellt Ihre Fragen. Vollkommens Unverständnis: „Radfahren abgewöhnen? Sie sollten froh sein einen so schönen Sport zu betreiben..“ Ich beginne von den 300 Km Touren zu erzählen und schildere Ihr mein Vorhaben nächstes Jahr alle RTFs Deutschlands nachzufahren und Deutscher Meister in der Wertung „Teilnehmerstärkster Verein“ zu werden als Einzelstarter. Nölle Neuman wird skeptisch. Als ich unbedingt einen Ergometertest machen will fängt sie langsam an zu verstehen, was mein Problem ist.
Eine Woche später geht’s ab in die Entzugs- Spezialklinik ins Glottertal. Beste Referenzen, Einzelzimmer und Schwarzwald! Ich kann nur sagen: obergeiles Trainingsrevier!! Komisch ist nur, ich darf mein Rad nicht mit aufs Zimmer nehmen, die Fenster sind vergittert und die Tür geht auch nicht mehr auf. Am nächsten Morgen werde ich von einem bekannten Geräusch geweckt. Durch gekippte Fenster vernehme ich das Surren von Freiläufen, HÜGI! Bezirksabschluss RTF Südbaden!!! Genau unter meinem Kammerfenster, Horror. Ich kann genau die keuchenden Lungen der Spitzengruppe hören, das Palaver der in Doppelreihe um 6.30 Uhr pünktlich gestarteten Rentner, das jämmerliche Krachen der Schaltwerke des frühen Treibholz.... Mein Sabber hängt an der Fensterscheibe, ich tobe in Radhose durch das Zimmer als die Päärchen auf der kurzen Runde vorbeieiern „Lasst mich raus!“ Zwei Minuten später finde ich mich mit den Armen nach hinten in einer weißen Langarm- Windweste wieder und die zwei netten großen Pfleger bitten mich zwei „Nahrungsergänzungspillen“ zu schlucken. Anschließend beruhige ich mich wieder, Abfahrtszeit für die 150er Runde ist sowieso vorbei.
Nachmittags werde ich dann zur ersten Sitzung eingeladen, Gruppengespräch! Na mal schauen was meine Trainingspartner hier in der Klinik so auf‘m Kasten haben. Das Ganze findet in einem großen Saal statt, der perfekt für Zirkeltraining geeignet wäre aber es sitzen nur ein paar verkorkste Gestalten im Kreis herum. Nach und nach darf sich jeder vorstellen. Da ist Eva, ein magersüchtiger Strich in der Landschaft, sie will noch mehr abnehmen kann ich verstehen. Der Typ mit der Nase neben ihr, Karl, trinkt dauernd zuviel ich trinke auf Ausfahrten immer zu wenig. Wir kommen ins Gespräch. Bei meiner Angabe von 2x 0,75ml pro Stunde nickt Karl anerkennend, wir verrstehen uns. Der dicke Egon sollte sich etwas von der Eva abschneiden, oder besser gesagt abgeben. Und der Rastafari Michael in der Ecke hat eigentlich kein Problem, er meint nur die anderen hätten eins mit seinen Zigaretten.
Als die Reihe zu mir kommt wieder dasselbe Problem wie mit der Nölle Neumann. Schwester Erika: „Aber was denn, radfahren ist doch gesund?“ Ich: „Nee, ich brauch mal ne Pause, so Regeneration mit Massage, Sauna, ThaiChi und so“ Erika:„ich bin heute morgen mit dem Auto gekommen, das ist ungesund!“ Gelächter von Allen außer Karl. Ich merke das daß Trainingslager hier langsam voll in die Hose geht. Ich disponiere um und nutze das Schwester Erika von dem Zwischenfall heute morgen nichts weiß: „Wie wärs denn mit ner kleinen Runde?“ Die dralle Krankenschwester ist begeistert. Räder zu Therapiezwecken sind genug vorhanden, die Pfleger werden kurzerhand einfach mitradeln. Viel Feind viel Ehr denke ich mir und reiße vorsichtshalber die Tourenkarte an mich. „Aber nicht zu steil“ ermahnt Erika, „Nein nur locker und flach“ sag ich und ab geht’s mit dem Tross Richtung Bad Bergzabern in die Rheinebene. Nach gemütlichem Einrollern knicke ich scharf ab: Staufen. Am ersten Hügel ist Egon weg! Die Kette hat wohl seinen 150 Kilo Lebendgewicht nicht standgehalten, er hätte als Sprinter bei der heutigen Bergetappe sowieso keine Chance gehabt. Wir lasen ihn mit einem halben Kilo Powerbar als Notproviant zurück. Langsam beginnt sich die Steigung im Münstertal zu erheben, da riecht Erika den Braten. „Wir müssen umdrehen, da geht’s in die Berge“ Unverkennbar. Zum Glück nimmt mir einer der Pfleger das Wort aus dem Mund: „Kein Problem, wenn wir so weiterfahren ist der Weg kürzer zurück nach Hause...“ Erika willigt mit hochrotem Kopf ein und sagt „ Ok, aber lass jeden sein eigenes Tempo fahren“ Zwei Sekunden später ist sie weg meine Rechnung scheint aufzugehen.
Eine kleine Tempoverschärfung in den Serpentinen des oberen Münstertals schafft dann auch die Rotnase Karl, der schon seine beiden Flaschen restlos leergetrunken hat. Kurz vor seinem Exitus trumpft er plötzlich mit erstaunlichem Fachwissen auf: „Bin ich Tom Simpson - Hicks! Oder ist das hier der Ventoux, oder was? Jauhh“
Die spindeldürre Eva ist dagegen schon ein anderes Kaliber. Ich schätze sie wiegt 35 Kilo das macht bei 240 getreten Watt immer noch einen Faktor von 6,8! Ulrich Niveau! Ich entscheide mich nicht am Stohren die Entscheidung zu suchen. Lieber moderat bergauf nach rechts. In der Abfahrt vom Wiedener Eck herrscht starker Seitenwind. Eva wird auf der Windkante einfach von der Strasse gefegt und tschüss.
Am Fuße des Anstiegs zum Belchen ist die Tete de la Course auf drei Personen reduziert. Der Rastafari, ein Pfleger und ich. Jeder hat die Lage gepeilt, jeder will als erster oben sein. Jetzt ist Taktieren angesagt noch unterhalb der Baumgrenze erwähne ich wie zufällig etwas von den berühmten Pilzen am Wegesrand und ihrer leistungssteigernden Wirkung. Der Pfleger kann das nur bestätigen. Kurze Zeit später simuliert der Rastafari eine Verpflegungskontrolle und isst wahllos einen ganzen Schwarm Pilze von einem Baumstrunk leer er schafft leider nicht mehr den Anschluss an die Spitzengruppe, Bauchkrämpfe.
Zeit mir meinen letzten Rivalen genauer anzuschauen: brauen Waden, rasierte Beine na, na, na? Ich verwickle ihn in ein sondierendes Gespräch: „Na, sitzt Du wie ich dies Jahr das erste Mal auf‘m Rad?“ „Nein“ erwidert er in kurzen angestrengten Sätzen „aber Trainingsrückstand, wegen eitriger Angina, konnte die letzten drei C-Rennen, nicht voll durchfahren“ Hab ich‘s mir doch gedacht, ein Viertelprofi, ein Halbamateur, ein fast voll zu nehmender Gegner!
Kurz vor dem Gipfel lasse ich mich bei submaximalen Puls lamentierend zurückfallen, nicht ohne vorher etwas über schwerzende Knie erzählt zu haben, Sprinterloch nennt man das in der Fachsprache! Ich fühl mich gut, die Beine stimmen, der Berg gehört mir. Die Attacke sitzt, immerhin ist die C-Wanze den gesamten Berg vorne gefahren. Kurz vor der letzten Kuppe löse ich mich aus seinem Windschatten und schaffe es stehen zu lassen wie Zabel. Allein strebe ich dem Gipfel entgegen „ich hab‘s ihnen allen gezeigt, ich bin der Beste, ich brauche gar keine Pause, ich bin allzeitfit...“ In dem Augenblick höre von Ferne ich eine lauter werdende Stimme: „Herr Schäufele, Herr Schäufele, aufwachen, Herr Schäufele...“ Ich öffne langsam die Augen und blicke ins tiefe Dekoltee einer mir unbekannten Sprechstundengehilfe. „Die Frau Doktor Nölle Neumann ist schon zu Tisch. Sie haben Ihren Termin verpasst“ Und als wenn das nicht schon genug Salz in meinen Wunden wäre fügt Sie hinzu: "Sie sehen so angestrengt aus, sie sollten sich etwas Ruhe gönnen. Wir haben da eine Liege in dem Raum wo der Ergometer steht...“
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September.03 - Olympia 2008, Peking MTB Marathon
Ja, da haben sich die Chinesen was Schönes ausgedacht. 124 Kilometer entlang der Mauer mit dem MTB! Ein wahrhaft olympischer Mountainbike Marathon. Das IOC hat gerade noch die Kurve gekriegt und unseren allerliebsten Sport mit fünf Ringen geehrt. In einer Kampfabstimmung wurde kurz vor Ablauf der Nominierungskriterien Tandem- Wasserpolo gegen die Langstrecke aus dem Programm genommen.
Rückblende:
Wie kam es zu dieser bahnbrechenden Entwicklung. Nach der ersten tollen WM in Lugano in der Schweiz waren eigentlich alle, bis auf einen Redakteur und zwei BDR Funktionäre davon überzeugt, das die einzige Offroad Radsportart die mehr als vier Leute an die Startlinie lockt, ruhig öfter Weltmeisterschaften austragen darf. Ein Jahr später, 2004 in Kanada dann aber der Rückschlag: bis auf vier zufällig wegen der CC-WM anwesende deutsche Herren und Damen stehen nur zwanzig weitere Starter/innen an der Linie. Der Rest der Europäer fährt zeitgleich in Kirchzarten ein interessanteres Rennen. Und auf dem neuen Kontinent kümmert sich sonst niemand für MTB Marathon - hier werden 8, 12 und 24 Std Rennen gefahren. Nachdem Andrea Michel Smith wieder als einzig finishende Dame (die Zweite, eine Hausfrau aus Colorado hatte wegen einsetzendem Regen aufgehört) einen „historischen Sieg für Corratec“ eingefahren hatte wurden die Regeln für Marathon erstmal geändert. Die Weltmeisterschaften finden in Zukunft nur noch in Europa statt.
In Livigno 2005 fuhr die inzwischen ausgeprägte europäische Marathonelite dann erstmals über 120 Kilometer um den Sieg. Der Gewinner Lado Fumic behauptet anschließend in einem Bild-Inteview:“Die Langdistanz ist die Königsstrecke, ich habe vorher 10 Jahre nur rumgeeiert!“ Er löst damit einen waren Radsportboom in Deutschland aus. Aber die Mehrheit der Bevölkerung hat sich inzwischen auf noch längere Distanzen spezialisiert. Unter Paris-Brest-Paris ist kaum noch Anerkennung zu ernten, 48 Stunden MTB-Rennen werden zur Regel. Wolfram Fasching taucht im Juni 2006 als „Bravo“ Starschnitt auf und schmückt die Pinwände pubertärer Teenys. Die fahren auch ohne Training voll auf die neuen Extrem Sportarten ab: Statt die Nacht durch auf Exstasy in der Dizze rumzuhüpfen - auf Epo im Delirium ein Wochenende im Münchner Olympiapark Kreise drehen, cool Man! Berlin bekommt mit der Loveparade den Zuschlag für die Deutschen Meisterschaften im 24 Std Rennen 2006.
2007 dann die WM in Willingen, zeitgleich mit dem Bike-Festival. 120 Km Marathon wird inzwischen als Königsdiziplin anerkannt. CrossCountry ist im Vorprogramm den Jugend- und U23 Fahrern vorbehalten. Der BDR hat inzwischen auch einen Fachwart und geregelte Nominierungskriterien für die Langstrecke entwickelt. Aber beim Damenrennen kommt es zum Eklat. Schon im Vorjahr hatte ein Rosenheimer Rennstall das Damenrennen mit Hilfe von 10 männlichen Wasserträgern dominiert. Anlaufrollen am Hinterrad und überweite Regenjacken gehörten ja schon seit 2004 zur unverzichtbaren Pacemakerausrüstung. Aber dies Jahr wird ein neongelbes Sauerstoffzelt vor der Favoritin hergezogen! Die UCI überlegt, ob das rasende Zelt aus optischen Gründen verboten werden sollte. Ein anderes Paar aus dem Schwarzwald entdeckt eine Lücke im Reglement und startet mit Tandem. Dadurch wird erstmalig ein Mann Weltmeister der Marathonfrauen er saß vorne und war wieder wie üblich 2 Sekunden vor seiner Frau durchs Ziel gefahren...
2008 - Im Olympiajahr hat die UCI die Regeln voll im Griff, Männer und Frauen starten getrennt. Und auch ehemals unvereinbar geltende Disziplinen wie Downhill und CrossCountry bestimmen gleichberechtigt den selektiven Charakter der Strecke. Die Bikeindustrie boomt und verkauft extrem leichte vortriebsstarke Downhillboliden. Und die Meinung der Trainingswissenschaftler tendiert hin zu 2 Wochen Mallorca + eine Woche Fahrtechnikkurs, sonst hat man keine Chance auf eine Platzierung. Bei großen Veranstaltungen über 4000 Teilnehmer muß dieser Fahrtechniknachweis unaufgefordert vorgezeigt werden, sonst kommt man in den hinteren Startblock. Keine Staus mehr im vom BDR vorgeschriebenen 40% prozentigen Trailanteil!
ARD Livereport aus Peking, mit Bike Experte Heribert F.
Zurück zum ersten olympischen Wettkampf: der Startschuß fällt im Morgengrauen, die ausnahmslos selektierten Nationalkader-Athleten rasen los. Die von Veith exklusiv organisierten Touristikfahrer hinterher.Andy Strobel gilt als Amateur-Geheimfavorit. Das chinesische Staatsfernsehen überträgt live und in voller Länge. Auf Premiere sind diverse Helmkameras aus der Spitzengruppe abrufbar. Leider verhindern Bäume wieder wie in Atlanta einen Blick aus dem Helikopter. Stattdessen wird kurzzeitig ein Vorrundenspiel im Tischtennis mit rein chinesischer Besetzung eingeblendet. Der frischgebackene Sportredakteur des Focus Armin Küstenbrück, bekannt geworden für seinen Spruch: „Fakten , Fakten, Fakten und immer an die Snakebites denken..“ beschwert sich über fehlende Bilder im Zielraum. Beim Damenrennen gewinnen überraschend acht fünfzehnjährige chinesische Athletinnen mit einem unglaublichen 40er Schnitt. Die hatte vorher keiner auf der Siegerliste. Bei den Herren gibt es nach langem zähen Kampf einen Zielsprint: Thomas Frischknecht gewinnt vor Bart Brentjens und macht damit nach 28 Jahren Rennkarriere seinen Traum vom ersten olympischen Gold war. Tom Ritchey ist persönlich mit seinem Klapprad aus Kalifornien angereist und gratuliert. Jeder Chinese, der schon mal als Tourist in der Schweiz war läutet seine Andenkenkuhglocke alle sind glücklich.
In einem Schauwettkampf auf dem Platz des himmlischen Friedens gewinnt Lado Fumic Stunden später vor Wolfram Fasching ein 24 Std MTB Rennen - nur der schwergewichtige Focus Sportredakteur beschwert sich hinterher in einem unverständlich konfusen Internetbrief. „24 Std Rennen sollten doch wirklich nicht olympisch werden und sind nur was für alternde Marathonstars...
Die Königsdisziplin ist und bleibt der technisch anspruchsvolle Marathon über die 120 Kilometer Distanz!“ - Aber das wissen wir doch alle heute schon, oder?!
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August.03 - Yin und Yang am Rad
Ziemlich ratlos auf der Suche nach dem ultimativen Kick fürs nächste Bike wurde ich an einem Zeitungskiosk fündig. Da stand auf einer bioangehauchten Zeitschrift mit Holzmöbeln auf dem Titelbild: "Geben Sie mit Feng Shui ihrem Leben einen neue Qualität!"
Die Formel für Successful Living?
Was fürs Leben gilt, muss auch aufs nächste Rennrad anzuwenden sein! Also wurde sinnvollerweise auf die nächsten "KarenEller hat die TAC gewonnen"-Bike09/2003 bis 08/2004 verzichtet und voll in dieses Fachblatt für angewandte Lebensfragen investiert. "Feng"- "Shui" - das hört sich für den Konfuzius-Laien erst mal an wie ein Hitzeplatten beim Latexschlauch. Das ist es aber bei weitem nicht. Es ist mehr so eine Lehre der Ganzheitlichkeit. Kein Spiegel gegenüber von Eingangstüren, keine Stühle mit dem Rücken zu Durchgangswegen, Schlafzimmer immer hinten links - eigentlich alles ganz einfach. Warum soll nicht für Bikekomponenten dasselbe gelten wie für Möbel? Leider stellte die vertikale Grundnutzungsrichtung des Bikes da ein kleines Hindernis für den Do It Yourself - Feng Shuisten dar. Der Sattel wollte Partout nicht auf dem Hörnchen halten und scheiß Fahreigenschaften hatte das Ding auch noch, dabei versprach der Sitzplatz vorne rechts Ruhm, Reichtum und RTF Gewinne..
Prominente Nutzer der Weisheit
Also stieg ich stärker in die Materie ein. Google sei Dank erfuhr ich, das ein gewisser Lance Armstrong seinen Tour Truck mit Hilfe von Dr. Ferrari und einem anderen dubiosen Meister des Fengshui hatte umbauen lassen. Seitdem steht der Parktoolständer immer im G-Koordinaten der Garage - und eingespeicht wird nur noch nachts auf der Veranda! Aber da war auch noch der Experte aus China der Pinarello berät. Die Dogma Gabel ist Ergebnis tiefster italienisch- chinesischer Feng Shui Forschung. Die Kraftlinien der Gabel sollten gebrochen werden und sich nicht direkt mit den Sehlinien des Fahrers kreuzen. Ein stärkerer mentaler Vorwärtsdrang die Folge sein. Mir nahestehende Kreise raunten dazu: "Der Radsportuniversalgelehrte Smolik hat auch mal so eine Eiergabel gebaut, das war vor zehn Jahren als Hasch noch billig war! Er hat das Ding Wallabi genannt - wahrscheinlich hat er danach auch FengShui erfunden.." Ich trau dem Braten auch nicht so richtig, hab irgendwie beim Betrachten des Rades immer einen Knick in der Linse und mache ein drei Testanrufe bei Cadel Evans, Santiago Botero und Paolo Salvodelli. Deren Meinung zu dem Thema scheint nicht erschöpfend genug zu sein.
Ich probiere weiter mit Fengshui am lebenden Objekt ausgerüstet mit einem zwei Tunekurbeln wiegenden Wälzer der asiatische Lebensweisheiten: Wer wäre da nicht besser als Studienobjekt geeignet als das Bike meiner Herzallerliebsten?! Das alte Scandium-Bike bekommt erst mal einen neuen Anstrich, der alte Sponsorname "Focus" auf dem Unterrohr wird übergetüncht. Das vertreibt erstens die bösen Geister verlassener Teamchefs und ist zweitens zu dominant auf der positiven Achse und ansteigenden Linie. Die Sattelstütze möchte ich nach eingehendem Studium der ganzheitlichen Farblehre Blau streichen, das soll dämpfen und erspart das Fully - genial! Leider sind Frauen in so Farbsachen immer sehr eigen. Aber alle Schrauben aus Stahl, die in die falsche Himmelsrichtung zeigen kann ich austauschen! Da Holzschrauben derzeit kaum zu bekommen sind nutze ich lieber die positiven Materialeigenschaften des Titan, Hauptsache nicht magnetisch.
Der FengShui Meister aus Kassel
Bei der weiteren Betrachtung des Bikes stehen wir plötzlich einem unüberwindbaren Widerspruch gegenüber: die Zähne von Kettenblättern und Ritzeln stehen sich in Ihren Kraftlinien diametral gegenüber, zudem drehen sich beide auch noch in gegenläufige Richtung! Und ich hab gedacht die von Shimano hätten sowas drauf.. Haben die doch jetzt das neue XTR schon nach Feng Shui mit RapidRise ausgestattet? Aber bei der Masse an Zähnen kann da doch kein ungehinderter Vortrieb entstehen. Wir pilgern zusammen nach Kassel zu einem deutschen Meister des Radsport Feng Shui. Er reduziert die Zahl der sichtbaren Zähne auf ein äußerstes und versteckt den Rest einfach in der Hinterradnabe! Die malt er auch noch rot an, als Farbe der Energie sozusagen und schon geht's ab wie Schmitz Katze. Von verwirbelnden Kraftlinien am Kettenstrang keine Spur mehr, der 7te Gang surrt leise "Yin" - nur die nicht wegzudikutierende Schwungmasse bleibt ein kleines Yang.
Rote Socken als Energiemagnet?
Nach soviel Biketuning zurück zum Radfahren. Auf der Transalp konnte eine weitere Variante des Feng Shui als Kampfsport beobachtet werden: kennt Ihr das Gefühl, wenn so ein Idiot mit nach oben gebogenen Hörnchen (gut für das karma) und Elch auf dem Helm an Euch am Berg vorbeizieht? Oder dieses Gefühl der muskulären Ohnmacht, wenn Lenkertaschen und unrasierte Beine in roten Socken um Euch rumtanzen?? Das ist Fengshui in Reinstform! Diese Attribute des niederen Touristikvolkes entziehen dem rennambitionierten Biker sofort alle Motivation und lähmen seinen Vortrieb vorzüglich! Das ist ungefähr so, wie wenn der Latexschlauch hinten wieder "Feng!" und "Shuiiiiiih" macht.
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Juli.03 - Was ist ein echter Mountainbiker ?
Übersetzt aus dem amerikanischen Mountain Bike Magazin:
Du bist noch kein echter Mountainbiker, nur weil Du ein Mountain Bike fährst!
Du bist ein echter Mountainbiker, wenn Du den Sport lebst und der Sport Dir etwas zurückgibt, etwas lebendiges, etwas, das Dich trampeln, schreien und lachen läßt.
Und so geht s :
Spring über ein Hindernis, das höher als Dein Knie ist.
Nimm einen Tag frei und bike den ganzen Tag, von 9:00 bis Feierabend.
Unterbrich eine Tour für Sex.
Brich Dir das Schlüsselbein
Beginne eine Tour um 2 Uhr morgens.
Setz Deine Mutter aufs Rad.
Laß Dich in einem Rennen abhängen.
Lerne, ein Laufrad zu zentrieren.
Mach ein Nickerchen unter einem Baum neben dem Trail.
Folge einem Wildwechsel.
Fahr irgendwo runter, wo Du zu Fuß nicht runtergehen könntest.
Fahr irgendwo rauf, wo Du nicht runterfahren könntest.
Schüttel Mike Kluge die Hand.
Taufe einen selbst gefundenen Trail und erfahre Jahre später, daß sich der Name eingebürgert hat.
lss kalte Nudeln bei der Nudelparty des Bikefestivals am Gardasee.
Fahr bei einem 24 Stunden Rennen mit.
Bike mit jemandem, der das Mountainbike erfunden hat.
Fahr einen Rahmen kaputt.
Unternimm die weiteste Reise Deines Lebens, um irgendwo zu biken.
Fahr zum Tremalzo hoch und such Dir eine Abfahrt ueber Nebenstrecken, weil Dich die kultige Tremalzostrasse langweilt seit den Reparaturen.
überhol ein Tier, das auf einem Singletrail vor Dir wegrennt.
Hab so viel Dreck in einer Wunde, daß jemand anders die Wunde ausbürsten muss, während Du schreist.
übersieh einen Buckel und spring mehr als 6 Meter ohne zu stürzen.
Riech nach Wildblumen statt nach Schweiß, wenn Du heimkommst.
Finde den perfekten Song fürs Bergauffahren.
Wate durch hüfthohes Wasser, während Du Dein Bike über den Kopf hältst.
Fahre an etwas vorbei, dass Dich töten könnte ( ein Krokodil, eine giftige Pflanze, ein Drogendealer an der Strassenecke )
Gewinne ein Rennen.
Bekomme etwas von einer Bikefirma geschenkt.
Verkratze Dein nagelneues Auto mit Deinem Bike und sieh zuerst nach dem Bike.
Werde wieder gesund nach einem zufälligen Nosewheelie vor einer Menschenmenge.
Fahre eine gesperrte Strecke.
Richte einen Schaden von 500 Mark an beim Versuch, ein 20 Mark teueres Bikepart zu reparieren.
Verfahr Dich in einem Crossrennen.
Sieh Jürgen Beneke auf einem Motorrad .
Versteh, warum Leigh Donovan cooler ist als Missy Giove.
Habe einen Platten bei 80 Sachen auf einer Schotterabfahrt.
Verpaß einen wichtigen Termin, weil Du noch ne Extrarunde drangehängt hast.
Fahr eine Tour auf einem selbstgebauten Bike.
Glaube ernsthaft, daß Du, wenn Du nur früher angefangen und besser trainiert hättest, Profi geworden wärst.
Erkenne, daß Du mit dieser Profi- Geschichte völlig falsch lagst.
Repariere ein gebrochenes Bikepart mit einem Kabelbinder, statt etwas Neues zu kaufen.
Fahre besser als jemand, den Du für besser gehalten hast.
Sag " Pfeif drauf", wenn Du Dein Traumbike mit Deinem Dispokredit bezahlt hast, obwohl Du nächsten Monat arbeitslos wirst.
Schreib 500 Mal an die Tafel: Ich fahre kein Mountainbike weil ich Mountainbiker bin. ich bin Mountainbiker weil ich Mountainbike fahre.
Rasier Dir die Beine.
Brich Dir einen Knochen.
Finde jedes Jahr einen anderen Profi toll. Verfolge seine Erqebnisse, und werde ein fanatischer Fan.
Fall wenigstens einmal richtig böse hin.
Laß Deine übliche Sonntags- morgens- Tour ausfallen und frühstücke stattdessen in Ruhe mit Familie und Freunden.
Rette einen Trail vor der Erosion.
Verbring eine Stunde mit der Suche nach einer verlorenen Schraube.
Starte die härteste Biketour Deines Lebens mit einem tierischen Kater.
Fahr den Kamikaze Downhill runter.
Nimm Deinen Hund mit zum Biken.
Bleibe dem Sport solange treu, daß Du Dir irgendwann ernsthaft einfacheres Material wünscht.
Laß Dir Dein bestes Bike klauen.
Fahr am Gardasee.
Entdecke einen schönen Trail und behalte ihn für Dich.
Ruf bei jedem Bikeshop im Anzeigenteil der Bike an und frag nach Gratis Aufklebern. Verwende diese, um Dein Bad zu tapezieren.
Teile Deine Getränke, Müsliriegel und Ersatzschläuche mit Wildfremden.
Fahr ohne Dein Bike in Urlaub.
Nimm an einer Massenveranstaltung mit tausenden von Radfahrern teil.
Zieh am Strand Dein T-Shirt aus und seh so aus, als ob Du immer noch ein weisses T-Shirt anhättest.
Fahr mit Slicks im knöcheltiefen Matsch.
Lern endlich, wie man das Rad versetzt und Wheelies fährt.
Besitze mindestens ein Trikot in gräßlichen Neonfarben, für das Du Dich später schämen mußt.
Jobbe als Fahrradkurier.
Benutze eine Brücke, die für Fahrräder gesperrt ist.
Nimm ein Shimano Schaltwerk komplett auseinander und setze es wieder zusammen.
Rezitiere den Erlkönig während eines langen Anstieges ( Erreicht den Hof mit Müh und Not. das Bike ist heil, der Biker tot.. )
Rechtfertige vor einem Obdachlosen, warum Du ein Fahrrad für 8000 EURO hast.
Fahr so hart dass Du heulst.
Kaufe irgendein unnützes Zubehörteil, das völlig nutzlos ist, und verkaufe es später an einen Freund für mehr, als Du dafür bezahlt hast.
Tritt der IMBA ( International Mountain Biking Association ) bei.
Leg Dich bei 60 Sachen auf die Nase und bleib unverletzt.
Fahr eine Weltcupabfahrt runter.
Verirre Dich auf einer Tour und übernachte im Freien.
Werde alt, fett und langsam.
Lerne, auch auf einem Starrbike schnell zu sein.
Heule Dir die Augen aus dem Kopf in der Kapelle der Madonna de Gisallo (Schutzheilige der Radfahrer am Lago Maggiore ).
Lies ein Rock Shox Owners Manual.
Spring über den Lenker ab.
Fahr einen Downhill Rollstuhl.
Hör auf, vor der Tour Currywurst / Pomes zu essen.
Fahr mit dem Rennrad durch einen Singletrail.
Fahr in die Garage mit Fahrrädern auf dem Dachgepäckträger.
Schlaf mit Deinem Bike - wenigstens ein Mal.
Bike bei Mondlicht.
Laß Dich von Deiner Freundin fragen, wovon Du geträumt hast, weil Deine Hände im Schlaf immer gebremst haben. . .
Geh Biken, um Dich mit Deinem anderen Ich auseinanderzusetzen.
Verbrenne Dich so schlimm an Brennesseln, daß Du Dich ärztlich behandeln lassen musst.
Sag ernsthaft, daß einer der besten 5 Tage Deines Lebens einer war, an dem Du Biken warst.
Erkenne, dass Dich kein Bike der Welt schneller machen kann.
Geh Mountainbiken, wo es gar keine Berge gibt.
Kauf Dir ein teures Werkzeug, mit dem Du nicht umgehen kannst.
Fahr in einer menschenfeindlichen Umgebung - einem Dschungel, einem Regenwald - oder Berlin.
Halte während eines Rennens an und helfe einem Konkurrenten mit technischen Problemen.
Verbringe mindestens ein Wochenende auf einem Bikefestival.
Trink ein Bier mit Jan Erik Oostergaard.
Schieb Dein Bike kilometerlang durch die Gegend, weil Du Deine Pumpe vergessen hast.
Fahr einen Monat lang jeden Tag.
Erkläre den Unterschied zwischen Shimano IG und HG.
Repariere an einem schönen Sommertag den Trail, anstatt zu biken.
Beende eine Tour bei einem Wetter, bei dem niemand wagen würde überhaupt loszufahren.
Fahre einen Singletrail mit einem Mountainbike- Tandem.
Fahr 2000 Höhenmeter am Stück runter.
Fahr 2000 Höhenmeter am Stück hoch.
Fahr auf einem NORBA oder Weltcupkurs.
Bringe 5 Freunde dazu, auch Mountainbike zu fahren.
Repariere etwas Gebrochenes an Deinem Bike oder Deinem Körper in der Abenddämmerung, alleine im Nirgendwo und mit den falschen Werkzeugen.
Mach mit beim Nacktkriterium in Mt. Snow.
Krieg Krach mit Deiner Freundin, weil Du zu viel bikest.
Balanciere Dein Bike an einer roten Ampel ohne abzusteigen- solange bis die Leute gucken.
Mach eine Mehrtagestour ohne zu duschen.
Nimm an einem Trial Wettbewerb teil.
Schau bei der Weltmeisterschaft zu - oder nimm daran teil..
Habe einen richtig fiesen Kettenklenrnmer.
Fahre den ersten Trail, den Du je gefahren bist- und wenn möglich, nimm dazu Dein erstes Bike.
Infiziere Dich durch schlechtes Wasser mit Amöbenruhr.
Fühle Dich unbesiegbar.
Fühle Dich grauenhaft.
Trink aus dem Camelback von jemand anders, weil Deine Trinkflasche leer ist.
Geh auf Deinem Lieblingstrail spazieren.
Geh auf Deinem Lieblingstrail spazieren, werde von Mountainbikern ganz knapp mit einem Affenzahn überholt und entdecke, wie schnell man Hassgefühle entwickeln kann.
Geh biken bei 30 Zentimetern Neuschnee.
Schüttel Dich, wenn Du lila anodisierte Parts siehst.
Werde schnell.
Erinnere Dich an ein paar Zeilen aus einem schönen Gedicht, wen Du auf einem Gipfel stehst.
Ramme Dir das große Kettenblatt ins Fleisch.
Frühstücke unterwegs im Stehcafe.
Komme mindestens eine Woche ohne Auto aus.
Springe während einer Rast von hohen Felsen ins Wasser und geh schwimmen.
Gleite durch ein hüfthohes Feld mit Blumen, während die Sonne scheint.
Verirr Dich.
Rolle das Feld von hinten auf nach einem schlechten Start im Rennen und hole alle Deine Freunde wieder ein.
Lerne, wie man ein Laufrad einspeicht.
Finde einen interessanten Käfer auf dem Trail.
Erreiche den Gipfel eines Berges genau in dem Moment, wo die Sonne auf- oder untergeht.
Lerne, wie man über querliegende Baumstämme fährt, ohne mit dem Kettenblatt aufzusetzen.
Hab so viel Angst bei einer Aktion auf dem Trail, daß Du schreist.
Wärme Deinen Körper in einer natürlichen heißen Quelle.
Probier Scheibenbremsen aus.
Lerne während der Fahrt zu pinkeln.
Ziehe einen großen Dorn aus Deinem Körper.
Mach eine Tour mit einer Gruppe und fahrt jeden Berg zusammen als Gruppe hoch.
Fahr nackt, mitten in der Nacht und mitten in der Walachei.
Halte nur Zentimeter vor einem Felsabsturz an.
Erkenne, daß Du viel zu viel Zeit auf dem Bike verbracht hast, aber daß Du zuviel gelernt hast, um jetzt noch aufzuhören.
weitere Vorschläge für die "MTB Hall of Fame" im Forum...
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Juni.03 - Das Balzverhalten geschlechtsreifer Marathonisti..
Die Spezies der Radfahrer teilt sich seit Humboldts Erkenntnissen in die wesentlichen Kategorien Rennradfahrer, Trimmfahrer und die seit Gary Fisher mutierten und die auf Wald- und Feldwegen lebenden Mountainbiker. Diese putzigen, immer mit Helm auftretenden Lebewesen rotten sich zweimal im Jahr zu sogenannten Festivals zusammen. Aus aller Welt treffen Sie sich auf kleinster Fläche um mit neuestem Material oder besonders coolem Aussehen ihre Artgenossen zu beeindrucken. Aber auch auf diesen Festivals gibt es vielfältige Mutationen der Gattung MTB. Da wären zu nennen: die oberkörperfreien Downhiller, die langhubigen Freerider, die coolen Sonnenbrillenposer, die kurzstreckigen Tourenschnecken und natürlich die laktatabhängigen Marathonisti. Eben dieser letzten Gruppe galt meine besondere Aufmerkamkeit, als ich mich Sonntag morgens ab 5.00 Uhr auf die Pirsch begab:
Startpirsch
Kaum ist die Sonne über die Wipfel der sauerländischen Nordmanntanne geklettert, tummeln sich die ersten Exemplare übereifig im Startbereich. Mit hoher Trittfrequenz werden kleine Rampen hochgesprintet und der Puls auf Trab gebracht. Treffen zwei zusammen, erzählen Sie sich die nettesten Geschichten. Wortfetzen wie "noch erkältet", "voll aus dem training raus" oder einfach nur "mal sehen wie es läuft.." signalisierem dem Konkurrenten: Vorsicht, da hat einer Topform! Zurückgeplustert wird dann meist mit "chronische Bronchitis", "eitrige Angina" oder "das 24Std Rennen gestern steckt mir noch in den Knochen..." Nach diesem verbalen Vorgeplänkel stellen sich die Marahonisti artig in ihre Startplätze. Diese Aufstellung ist zumindest in Willingen upsoluth nicht artgerecht. Über 3000 wackere Zweiradler in sechs engen Startblöcken. Da geht's den Hähnchen vom Wiesenhof ja noch besser. Auffallend nur, das sehr viele kurzstreckige Tourenschnecken einen vorderen Startplatz ergattern und so schon am ersten Anstieg unter den rennorientierten Langschnäblern für ungeheuren Lärm und Verzweiflung sorgen. So gesehen fahren von den 3000 ungefähr 150 Artgenossen ein Rennen, und der Rest fährt upsoluth hinterher.
Zeckenalarm äh Zickenalarm!
Betrachten wir jetzt einmal die weiblichen Exemplare in den vorderen Rängen. Da klagen in letzter Zeit weibliche Jungtiere des öfteren, das sie nicht von den älteren Platzrehen in die Rudel- Gemeinschaft aufgenommen werden. Genaugenommen verteidigen die hochdekorierten Exemplare vergangener CC- Zeiten ihr Territorium mit augenscheinlicher Vehemenz und dem Versuch der sozialen Isolation. Während die schnelleren Männlein aufgrund des größeren Konkurrenzdrangs den Hang zur Gruppenbildung zwecks gemeinsamen Weiterkommens pflegen, sind die Weiblein zumeist auf ehrfürchtiger Distanz zueinander. Schon am ersten Anstieg bestimmen 10 Meter Abstände das Bild, und wenn wird zügig überholt anstatt mit einer Konkurrentin gemeinsam die Verfolgung aufgenommen. Aber auch außerhalb der Rennstrecke herrscht unter den Weiblein wenig Kommunikation. Niemals alternde, alteingesessene Magnesium Bike- Diven lassen die noch unerfahrenen Jungtiere selten an sich heran. Da muss die Artgenossin schon mindestens zweimal in der Ergebnisliste vor ihr platziert gewesen sein, bis ein dürftiges "Hallo" außerhalb des Treppchens ihre Lippen überschreitet. Zugegebenermaßen macht das Fehlen von Helm und Trikot die Orientierung nach so einem Wettkampf auch etwas schwierig. Aber zurück zum Sozialverhalten während des Wettkampfes. Natürlich macht sich einen aufstrebende Jungmarathonisti für Ihre Konkurrentinnen attraktiver wenn Sie mit Verstärkung über die Piste huscht. So kann sich auch mal eine arrivierte Meridaqueen in den Windschatten des Fujimännchens hängen, der seiner gleichgefiederten Fujifrau bis zum letzten Meter Windschatten, Ersatzlaufrad und mehr als mentalen Beistand leistet.
Balzgehabe
Andere teamlose Frauen hingegen fallen öfters Mal dem Balzverhalten von namenlosen Männlein zum Opfer. "Du sag mal, kenn ich Dich nicht von Frammersbach?" Ein Spruch der immer funktioniert! Und so kommen Männlein und Weiblein in Doppelreihe quasselnd und mit deutlich gedrosselte Tempo zur Bergwertung hochgeeiert. Das ist nicht der Sinn eines Wettkampfes! Fully-Fahrerinnen wiederum mit dem bezeichnenden Namen "Mutant" (das Rad heißt so, nicht die Frau! Anm. der Red.) beißen so dauerhaft in den Lenker, das ein Ansprechen von vornherein sinnlos erscheint. Nach dem Rennen stehen dann einige Mittelstrecken Stuten so lange im Zielraum bis kein Kuchen mehr da ist und reden mit jedem, den Sie von der Transalp, Mallorca, Gardasee; Kellerwald, Frammersbach oder sonstwoher kennen. Ganz anders dagegen die Königin der Langstrecke: Ein ganzes Volk von fleißigen Bienen umschwärmt sie nach dem Zielstrich, versucht ihr Armlinge über die beträchtlich umfangreichen Oberschenkel zu zwängen und tut auch sonst alles für eine unverzügliche Regeneration. Sorgfältig abgeschirmt ist ein flüchtiger Kontakt zu anderen weiblichen Elementen außerhalb ihres Volkes so nicht möglich.
Missing in Action: "Sportswomen"
Fazit der tierischen Betrachtung des Sozialverhalten der femininen Langstrecklerinnen: Im Mountainbikesport ist es wie in jeder anderen Leistungssportart: Gegrüßt wird tunlichst nur der, der besser ist als einer selbst. Nach oben wird's da wie in einer Pyramide deutlich enger. Aber jeder ambitionierte Esel will halt nach oben, schlechtere Fahrer sind dagegen uncool wie Übertraining. Ähnlich wie beim Tennis der Typ, mit dem man sich seine Schlagweite vermasselt. Am schlimmsten in diesem Verhalten sind meist Personen, die noch mit 32+ von der großen Karriere im Radsport träumen. Aber auch das ist tröstender Weise in anderen Sportarten auf allen Leistungsleveln ähnlich. Über all dem stehen dann so ein paar Ausnahmetypen wie z.B. Ralf Berner, Mannie Heymanns oder noch extremer im Windsurfen ein Robby Naish! Im Wettkampf über Jahrzehnte hinweg immer der Beste und trotzdem souverän, nett, freundlich und hilfsbereit zu Jedem, auch jetzt im "Ruhestand". Ein echter Sportsman eben - so ein Prachtexemplar fehlt der weiblichen Mountainbike Marathon Spezies vielleicht noch...
oder Vorschläge dazu im Forum...
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Mai.03
Der Mai ist ein schöner Monat, die Natur explodiert und die Blumen sprießen.. aber auch die Gedanken der Biker werden zu neuen Höhenflügen inspiriert. Manche gutgemeinten Ideen schießen aber auch ins Kraut.
Da wäre an erster Stelle die unsägliche Biopace Kurbel zu nennen. Ein Ergebnis von zuviel Mai-Sake Konsum am Zeichenbrett. Auch der Erfinder des berühmten SlingShot Rahmens hatte wohl einen Stich von der ersten Mai Sonne abbekommen, als er das Unterrohr gegen einen Draht austauschte. Weitere Fehlentwicklungen der Bikeindustrie sind zwar nicht immer im Mai entstanden, aber spätetens im Mai wurde der Schwachsinn vom Winter auf den Trails in aller Welt entlarvt und die Bike Magazine wurden ein bißchen leiser mit ihren lauthalsigen "Das ist die Zukunft des Bikes" Ankündigungen.
Wtal - Stadt der Erfinder
Aber auch in Wuppertal gab es findige Köpfe, die neben ihrer radlerischen Tätigkeit bahnbrechende Erfindungen für unseren allerliebsten Lieblingssport ersonnen. Zum Beispiel hat der Klaus Winkelsträter die Kachel mit Sammelcharakter... nein, nur ein Spass, er ist nicht der Erfinder der Delfter Kachel.
Aber da wäre dieser junge Radsportathlet, der im Mai 1998 seinem Onkel dabei zuschaut, wie er seine ultrahochmodernen Riemchenpedale gegen eine weitere Revolution austauscht: Klickpedale von Shimano. Der letzte Schrei! Seit Greg Lemond bei der Tour mit den Look-Pedalen allen um die Ohren fuhr, waren Sie ein Muss für alle die richtig Druck auf die Kurbel bringen wollten. Und so fand das Klickpedal seinen Weg über die RTF-Veranstaltungen bis hin zu den Mountainbikern. Shimano hatte nach der Biopace- Schlappe Lust auf Mehr Flops und entwickelte zusammen mit John Tomac diese lustigen Dinger, wo man nach mehreren Anläufen einklickte, irgendwann stehenbleib und dann einfach umkippte. Gut, ok - das Ding hat sich jetzt soweit durchgesetzt und ist bis auf wenige Schwächen (Matthias in St. Ingbert) ausgereift und von allen Bikern als sinnvoll anerkannt, o.K.
Frühform des Freeride
Aber dieser junge Ausdauerathlet beobachtete jetzt seinen Onkel, wie er als zweiter Käufer nach John Tomac, mit dieser Errungenschaft der japanischen Feinmechanik seine ersten Erfahrungen machte. Und als der Onkel mal wieder auf der Backe lag, erkannte der Elberfelder Jung, was für eine neue Dimension der Bikesport nehmen würde: Nicht mehr das fahren ist der Thrill! Das Hinfallen ist der eigentliche Reißer. Das bleibt in Erinnerung, darüber spricht man auch noch am nächsten Stammtisch. "Weißt Du noch '92, wie ich da im 601er abgeschmiert bin, Zach übern Lenker, voll in den Pedalen". Da verblasst doch jeder epische Kuppensieg zu einer historischen Bagatelle! Neuerdings haben die Freerider heutiger Tage diese Spielart des Bikens zur Spitze getrieben: Das heißt jetzt nicht mehr "Beckenbruch" sonder neudeutsch "JawDrop". Und statt nur aus dem Stand nach rechts wegkippen springt man halt neuerdings vorher noch 15 Meter eine Klippe runter. Aber mal ehrich, wo ist da der Unterschied? Eigentlich ist Wuppertal die Wiege des Hardcore-Freeride und dr Onkel eigentlich in einer Linie mit Josh Bender, yeah..
Unser findiger NeoBiker verschwand kurz nach Begründen der Freeridewelle flux im stillen Kämmerlein und ersann in Zusammenarbeit mit einem nicht unbedeutenden Klebehersteller in Düsseldorf eine absolute Weltneuheit. Das Pedal zum Sport! Wir haben in den staubigen Akten des amerikanischen Patentamts gewühlt und das Originalpapier mit einer Spionagekamera ablichten können, exklusiv hier im Laktatexpress!
Aber weder sein Onkel noch Shimano wollten seine Erfindung, ordentlich angemeldet auf Rolle 587.345.021 so richtig annehmen. Der japanische Ritzelgigant beschränkte sich lieber darauf, alle zwei Jahre ein andersrum funktionierendes Schaltprinzip auf den Markt zu bringen und der Onkel war inzwischen wegen Hüftdisplasie aus dem aktiven Bikerleben ausgeschieden. Sein Neffe hatte ihm wenigstens das weiß/gelb/schwarze Cannondale mit den Shimanopedalen einfach abgekauft.
großes Bild vom Patent hier..
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April.03 - Laktatexpress jagt Dr. No!
Die Welt blickt in die Krisenregion am Golf, wir aber haben unsere Spione in ganz anderen Ländern: Während "M" in der sonst so soliden Schweiz auf falschen Pässen unterwegs ist schauen wir in weit wärmere Gefilde:
James sitzt am Strand, eine dicke Havanna- Zigarre im Mund, im Hintergrund dudelt Guantanamera und James schlürft ein Glas Cuba Libre. Dann wandelt eine atemberaubende Schönheit aus den Fluten, setzt sich neben James und nimmt ebenfalls einen kühlen Drink.
So verführerisch das klingen mag, Extrembiker James - James Wilberg - folgt auf Kuba einer anderen Mission. Er will mit seiner Geheimwaffe Rocky Racoon den Einheimischen zeigen was Milchsäure ist und auf den Spuren Castros einmal durch die Sierra Maestra im Süden Kubas und auf den Pico Turquino, den höchsten Berg der Insel. In diesem vom tropischen Urwald überwucherten Gebirge verschanzten sich einst Fidel Castro und Che Guevara mit ihrer Armee, als die Revolution noch in den Kinderschuhen steckte.
Die Soldaten hinterließen mitten im Dschungel ihr Hauptquartier, die Commandancia de la Plata. Der Weg dorthin, ein kniffliger Singletrail führt stundenlang durch unwegsames Gelände. James Wilbergs einziger Gefährte ist sein treues Centurion, Rahmennummer 0070017. Die beiden wollen sich in drei Tagen zu Castros Hauptquartier durchschlagen und weiter bis auf den 2005 Meter hohen Gipfel des Pico Turquino. Die Legende berichtet, daß von dort ein epischer Singletrail über 40 Kilometer direkt an den blauen Ozean führen soll. Allerdings war hier noch kein Mensch auf dem Bike unterwegs, außer vielleicht der deutsche Geheimagent Dr. No alias Hans Jörg "El Rey" - und von dem dieser Bericht auch hemmungslos abgeschrieben ist. Aber das ist ja seit Toni Blairs peinlichem Irakbericht äußerst legitim, oder?
Die Expedition beginnt mit dem stundenlangen Aufstieg zu Castros Hauptquartier. James Wilberg stößt dabei gleich am ersten Tag an seine Grenzen. Er wußte, das es mit ein paar Tanzstunden als Vorbereitung hart werden würde, aber so hart? "Sieben Stunden lang diese schwere Magura Stroke im Steuersatz meines Racoon auf dem Rücken, wenn ich doch unserm Materialexperten "O" nicht vertraut hätte... Der Trail ist steil und anspruchsvoll, die Luftfeuchtigkeit unerträglich. Damit hatte ich nicht gerechnet" gesteht Wilberg.
Völlig erschöpft erreicht James W. ein verlassenes Dorf in dem Castro und seine Gefährten in den fünfziger Jahren lebten. Die Holzbaracken und Baumhäuser sind durch abenteuerliche Brücken und Leitern verbunden und mittlerweile mit der Natur verschmolzen. Nichtsdestotrotz wird der Ort bewacht. Wer Glück hat, kann für ein paar Dollar sogar eine Zugangserlaubnis ergattern, um Castros Schlafzimmer, seinen Fahrradkeller und die legendäre Radiostation Radio Rebel zu bewundern. Fotografieren ist aber strengstens verboten.
Der nächste Tag mit vier Stunden brutaler Uphills verlangt unserem geheimen Geheimagenten alles ab. Aber wofür hat er denn im Burgholz geübt.. Nach 2005 Höhenmetern ist der Gipfel des Turquino endlich erreicht. Zeit zum Relaxen und Gelegenheit die herrliche Aussicht auf das karibische Meer zu genießen.
Die Abfahrt wird zur gefährlichen Prüfung. Die ersten Kilometer sind steil und technisch knifflig. Fast senkrechte Leitern und schmierige, vom Urwald überwucherte Felsen verlangen das Letzte an Konzentration. Keine Frage, ein Fahrfehler auf den schmalen Graten entlang der zahllosen Abgründe würde Dr. No triumphieren lassen.
Nach der Hälfte der Abfahrt erreicht der Spion im Namen des Laktatexpress eine heruntergekommene Finka, weit und breit die einzige Möglichkeit zu übernachten. Ein freundliches altes Ehepaar serviert ein bescheidenes Mahl und amüsiert sich über die magentafarbenen Stellen, die langsam an den Hörnchen herausschauen.
Der letzte Tag ist dann der Hammer. Die Trails werden breiter und flüssig fahrbar, das Meer rückt immer näher. Dann ist es geschafft: James Wilberg legt sein getreues Rocky Racoon in die letzte Kurve und vernichtet mit einem finalen Drift auf weißem Sand die letzten verbleibenden Stollen seiner Schwalbe- Pfeilreifen. Anschließend wirft er sich ins kristallklare Meer. Nach Tagen der Entbeerung bleibt nun endlich auch wieder Zeit zum Träumen - von einem eisgekühlten Drink, einer fetten Zigarre und einer rassigen Schönheit - mit der er bei der RTF in Wipperfürth auftrumpft....
mehr Infos unter..
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März.03 - Deutschland sucht den Radsport-Star!
Was für eine Überraschung, einer aus dem Laktatexpress sollte Jurymitglied für den Wettbewerb "Deutschland sucht den Radsport- Star" werden. Wir waren begeistert, sagten zu und waren entschlossen einen aus unserem Bekanntenkreis in die Entausscheidung zu bringen, denn dem Gewinner winkte eine vergoldete RTF Kachel! Außer dem von uns auserkorenen neutralen Jurymitglied Rainer W aus W. sollten noch Franz Beckenbauer, Günther Jauch und Dieter Bohlen in der Jury sitzen. "Warum denn die?" fragten wir nach, "die haben doch Ahnung vom Radfahren soviel Ahnung wie die Wildecker Herzbuben vom Extremdieting! Warum nehmt Ihr nicht den Krautscheid, den Kettmann und Eddy?" "Nein, Nein" entgegnet RTL "die drei Promis sind sowieso in jeder Sendung und haben immer zu allem etwas zu sagen. Das bringt Quote!" Na unseretwegen..
Natürlich auf einer RTF
Zwei Wochen später treffen wir uns beim Live-Casting auf der ersten RTF in Velbert. "Ausscheidungsveranstaltung", sagt Dieter Bohlen, "megabescheuert, klingt wie Pippi-Party!" " Ja guut," meint der Franz, "nach der letzten Kontrollstelle, da miassn halt a paart weg, die fliegen halt raus aus der Spitzengruppe..." "Genau, meine Damen und Herren" sagt der Jauch "fangen wir an" und tritt einmal vor laufender Kamera kräftig auf das Gaspedal seines Führungsfahrzeugs. Ganz Deutschland sitzt vor der Glotze, als das semiprofessionelle Hauptfeld der extra auf 19.00Uhr (beste Sendezeit) anberaumten RTF innerhalb von Sekunden zersplittert.
Der erste Bewerber
Aber schon wagt der erste Kandidat einen Ausreißversuch aus dem Peloton um berühmt zu werden. Er sitzt auf einem Moped, trägt die Farben von Sprinter Walltrop und beginnt fürchterlich zu singen. "Hallo" sagt Rainer "wir suchen hier den Radsportstar, hast Du die Ausschreibung nicht gelesen?" "Lesen??" fragt er, "ey lesen war aba nich Bedingung ey!" "Tschüssiie!" meint Dieter. "Ah - halt amal - war das nicht ein alter Radsportsong?" fragte Franz, "das war doch die Starthymne der Transalp Challenge 1988 - oder?? Den Groove hab ich 68 schon mal bei der WM gehört ah - apropos 68 - ah, da fällt mir eine supa Geschichte ein..." "Nix da Franz! Weiter geht's", drängelt der Jauch "ich hab heute noch vier andere TV Sendungen."
Bei einer Verpflegung kommt ein hektischer Typ in Blau-Orange auf die Jury zu. "Wo ist denn Dein Rad?" fragt Rainer. "Geklaut!" "Hier an der Verpflegungsstelle?" "Ne, schon in Dortmund am Bahnhof, aber die klauen halt schon ganz brutal im Vorfeld von so Großveranstaltungen" "Na, vielleicht find'ses ja gleich jetzt auf dem Heimweg wieder, Servus!" meint der Franzl und verschwindet mit einer der Frauen von der Verpflegungsstelle - auf ein Weißbier...
Rappen, Steppen, Wiegetritt
Endlich kommt einer mit gescheitem Rad. "Na,was kannst du denn nich?" will Dieter Bohlen direkt wissen und der Krabo - Nachwuchsfahrer fängt gleich an vorzurappen, was er so drauf hat: "Ich hab den Pulsschlag auf halb neun , ich bin der Supersprinter, mach GA1GA2 den ganzen Winter, das wird mein Trainer freun - ich mach K3, K4, EB und alle schreien juchhe, ich.." "STOP!!!" schreit Dieter, "was fuchtelst du mit deinen Armen wie Cipollini auf der Ziellinie, Mann? Hast du'n Anfall oder bist du Gebärdendolmetscher? Sicher fährst du genauso unterirdisch Scheiße wie du rappst, mach dich lieber vom Acker bevor der Franz zurück is. Der putzt solche Bubis wie dich noch aus 200 Meter mit dem Fußball vom Oberrohr!" Und dann brüllt er:"Naddel - ah Quatsch - Frannzlll!"
Einer wird gewinnen
"Was war das gerade während der Pause von deiner Aufführung" fragt der Jauch den nächsten Kandidaten, so einen bleichen Titanrahmenfahrer vom Niederrhein. "War das A) ein Kettenklemmer, B) eine Reifenpanne, C) eine lockere Speiche oder D) eine Hungerrast?" "Weiß ich nicht mehr, kann ich jemanden anrufen und fragen?" meint die Assel und Günther sagt: "Nee, Telefonjoker ist eine andere Sendung, das war's dann wohl für dich! Und für mich auch, ich muß jetzt los, in zwei Stunden beginnt meine nächste Show. "Sprach's und winkte das Mavic Begleitfahrzeug herbei.
Und ne hübsche Assistentin
Nach Assel kommt Katja aus Essen-Kettwig, eine 1,88 Meter große Brünette mit 'nem Macker der eine dicke Nummer im RTF Termingeschäft ist. Ein perfektes Opfer für Dieter! "Also deine Trittfrequenz ist völlig talentfrei, auch wenn du noch 100 Jahre trainierst - aber die Optik ist erste Sahne. Mega.., Knackarsch und schön lange XXL Beine. Megaschade für dich, aber ruf mich mal nach der Sendung an, Riesenschnecke, könn ja zusammen en Teppich kaufen gehen."
Die Pleite
Nach weiteren 247 mittelmäßigen bis peinlichen Darbietungen am Berg vor der letzten Kontrolle diesseits der 280 Watt war die Jury durch. "Ja samma denn schon fertig?" fragte der Kaiser und Dieter bekam die Panik. "Wir brauchen zwei fürs Finale und wir haben zero,zero,zero. Aber nich mit mir, was der Bohlen anfaßt hat Gold zu werden - oder zumindest ne RTF Kachel. Mann wir brauchen zwei finale Kandidaten, und wenn die aussehen wie Ernie und Bert."
Die Geheimfavoriten
Da stechen Rainer zwei Radler am Horizont von Mettmann ins Auge.. "Seht mal wie die fahren, das ist bestimmt das berühmte Radsportpäärchen aus Unterbarmen!" ruft Rainer erfreut. "Langsam, welches denn.." sagt der Franz. "Nein, nicht der Heuwagen, weiter hinten Franz." "Ja gut, ich seh halt nimmer so gut.." entschuldigt sich der ewig junge Libero. Aber Dieter kippt fast aus den Puschen: "Megacool, die fahren total synchron, linkes Bein rechtes Bein, im Wiegetritt, alles im gleichen Beat, ey Alter - das mit Windschatten mit Musiik! Der megageile Super-Hammergroove! Cherie Cherie Biker - laß uns die mal schnell einpacken."
Berühmt werden wollen
Sofort versucht die Jury im Führungsfahrzeug die Lücke zuzufahren. Dieter schaut aus dem Verdeck durchs Fernglas. "Megageil, die sehen aus wie ZZ-Top mit Kurzhaarschnitt und Girohelm!" "Was, Bärte??" Rainer schwant plötzlich Böses. "Ey, noch geiler, die fahren nur auf einem Rad!" "Reschpekt" meint der Franz, "ich war am Anfang meiner Karriere auch ein ganz armer Hund und mußte mir den Ball mit 21 anderen Leuten teilen". Als wir zu den Beiden aufschließen, wird aus Rainers Befürchtung Gewißheit. Es ist Tillman Waldthaler, der gerade Robert in einem Geheimtraining auf die kommende Nepal-Tour vorbereitet. Zusammen haben sie in den letzten Wochen 14000 Kilometer abgerissen und sind auf dem Heimweg vom Nordkap. "Ey" ruft Dieter dem vorne fahrenden Waldthaler zu "willsu berühmt werden?" "Nee, war ich schon - vor 25 Jahren im ADFC" "Aber das heißt Fernsehen, Geld, Weiber!" "Hatte ich auch schon - auf meinen Diavorträgen" entgegnet der Rauschebart. "Dann macht doch wenigstens ne Pladde mit mir, Cherie Cherie Hungerast..." "Nee, das schon garnicht, das haben wir jeden Sonntag" sagt Robert und Dieter klappt zusammen. "Jetzt sind wir hin, Finito blamiert. Wir haben niemand, der Kontrollfahrer ist schon durch und die Rübezahlbrothers lassen uns auch hängen - und ganz Deutschland schaut live zu! Die Mega Pleiteeee!"
Ist denn heut schon Karneval
Da greifen sich plötzlich Waldthaler und Robert an ihre Hälse, ziehen mit einem Ruck die Masken samt Girohelm vom Kopf und zum Vorschein kommen Jessica und Marbod. Rainer war das blaue Tandem vorher schon irgendwie bekannt vorgekommen. Der Kontrollfahrer steht plötzlich auch wieder da, entpuppt sich als Thommy Ohrner und ruft allen zu: "Herzlich willkommen bei der versteckten Kamera!" "Ey, Gott sei Dank, das ist immer noch besser als ne versaute Sendung!" seufzt Dieter und der Kaiser ergänzt: "Ja lustig, da steckt bestimmt der Uli Hoeneß dahinter." In diesem Augenblick kommt Klaus Winkelsträter höchstpersönlich von der Verpflegungsstelle und beginnt eine eigenartige Version von 'Smoke on the Water' zu singen und nennt es den 'Kachel'-Song. Anschließend reißt auch er sich die Maske vom Gesicht. Horror, es ist niemand anders als Mr. Grand Prix Ralf Siegel! Endlich hatte er mal ne megageile Idee gehabt. "Na, was sagt Ihr?" Verkündet er stolz und alle antworten aus einem Mund: "Setz die Maske wieder auf und mal weiter Kacheln an, wir haben alle schon vier Wertungspunkte...."
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Februar.03 - Netzfundstück des Monats: "Was Frauen so denken"
Ob die feminie Abteilung des Laktatexpress diesen Artikel wohl nachvollziehen kann? Oder ob sich manchmal der männliche Teil auch so fühlt?? Hängt wohl wirklich nur von den "roten Muskelfasern" ab...
Gibt es ihn noch, den wahren Gentleman?
""Rennradler sind schon eine besondere Spezies. Fast täglich sieht man Exemplare dieser Gattung Deutschlands Straßen unsicher machen. Häufige Erkennungsmerkmale sind stählerne Waden und bunte Trikots. Besonders sonntags in den frühen Morgenstunden treten sie gebietsweise in großen Scharen auf und scheuchen Brötchenholer und Kirchgänger von den Straßen.
Doch dabei sind sie stets freundlich und haben ein Nicken parat. Dies habe ich jedenfalls als weiblicher Radler - eine seltene Unterart - festgestellt. Oder fließen diese Freundlichkeiten nur von der männlichen auf die weibliche Seite, so dass das meine männlichen Kollegen noch nicht mitbekommen haben?
Wenigstens einen Vorteil muss es doch geben, sind die Frauen doch ansonsten stets - und das betone ich - benachteiligt. Das fängt mit der einfachen und doch so gemeinen Tatsache an, dass uns die Natur einfach mit weniger roten Muskel-, also Kraftfasern ausgestattet hat als die Herren der Schöpfung. Sehr unfair. Wir können schwitzen und trainieren und werden dann doch beim nächsten Berg wieder abgehängt. Vielleicht ist das der Grund, warum ich mich immer wieder freue, wenn ich einen stattlichen Radler sozusagen überrolle. Eine Situation ist mir besonders im Gedächtnis hängen geblieben. Gerade in dem Moment, als ich an zwei Herren mittleren Alters vorbeirauschte, sagte einer zum anderen: "Heute rollt es richtig prima!" Da schoss ich an ihm vorbei und nur ein kleines "oh" blieb in meinen Ohren. Sorry, da wurde wohl sein männliches Ehrgefühl etwas angekratzt. Doch mein weiblicher Ehrgeiz konnte sich einfach nicht zurückhalten.
Und wieso sind die Kontrollen bei RTF's meistens in einer landschaftlich zwar reizenden, trotzdem aber völlig flachen Ebene angesiedelt? Wohngebiete sind als Standort auch sehr beliebt. Während man sich selbst seine Bedürfnisse verkneifen muss, sieht man überall ungeniert die Herren der Schöpfung stehen, um sich gleich wieder des zugeführten Zitronentees zu entledigen. Auch im Start- und Zielbereich so mancher Veranstaltung kann es durchaus vorkommen, dass frau erst einmal an zwei bis drei Herren-Toiletten vorbeimarschieren muss, bis sie das rettende Örtchen irgendwo weit abseits findet - wenn sie das Glück hat und welche vorhanden sind. Es kam auch schon vor, dass eine Frauengruppe das Herren-WC stürmte, da sie sich sonst in die nicht vorhandenen Büsche hätte schlagen müssen.
Doch wenn ich es mir genau überlege - eigentlich kann ich wirklich nicht meckern. Spätestens wenn meine Muskeln an einem steilen Anstieg anfangen zu streiken, findet sich immer ein netter Vereinskamerad, der freundschaftlich eine Hand auf meine Schulter legt und mich mit Hilfe seiner roten Muskelfasern und in einem lockeren Plauderton nebenbei den Berg hinaufschiebt. Und es ist doch ganz nett, wenn ein gut gebauter Mann mit breiten Schultern vor einem herfährt und man sich in seinen üppigen Windschatten kuscheln kann. Sehr angenehm. Dabei haben sie stets ein freundliches Nicken parat. Doch das erwähnte ich bereits.
Es gibt sie also doch noch die Ritter der Landstraße, die wahren Gentlemen.""
Weiteres Heiteres in Radsport-Aktiv.de / Heiteres
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Januar.03 "Atze Brägels Sylvestertraum"
Erzählt von Atze persönlich:
Neulich im August, Sonntags, da hat mein TransAlp-Trainingspartner "Jupp" aus Stuttgart angerufen: "Hey Atze, lust auf en Käffchen?" Kurz überlegt und in den Trainingsplan geguckt. "Klar doch" sach ich zu ihm "Ich komme, und zwar locker und flach - wie immer. Setz den Kaffee auf!"
Ich rein in die Cipollinikluft, Butter aufs Sitzpolster, den Kilometerzähler genullt - nochmal die Kniekehlen nachrasiert und dann ab in die Garage - den topgepflegten maßgeschneiderten Krabo-Renner mit Liebe auf den Asphalt gestellt und die 19er Reifen auf 10 Bar Betriebsdruck gebracht. Bei strahlendem Sonnenschein in lockerem Kompensationsbereich erstmal mit 35er Schnitt über die B7 raus aus Wuppertal..
Nach 48 Minuten in Köln am Rhein entlang, da steh ich schon im ersten Stau! Inlineskater wohin man blickt, mit wedelnden Armen und Füßen versuchen sich diese armselig krebsenden Kreaturen von einer Eisdiele zur nächsten zu bewegen, einige nennen das sogar "Speedskaten". "Chickenwatching" nenn ich dieses Gehampel höchstens - Spezialgebiet Sonntags 12.00 an der Kemnade, aber erst wenn das Thermometer bei 26 pegelt! Mein Schnitt fällt unter die 32er Marke, aber ich bleib ganz ruhig..
Locker im Tritt - 30er Schnitt
Bei Bonn gerate ich dann zufällig in eine RTF, ihr wißt schon R.T.F. - diese Veranstaltung mit diesen lustigen Leuten: "Rentner Treffen Farbenblinde".
Kuppiges Gelände - meine Beine treten lässig wie die Pleuelstangen eines Volvo-Penta Schiffsmotors eine exakte 95er Trittfrequenz - ich pflüge durch das "teilnehmerstärkste" Vereins-Treibholz der "6.00 Uhr" Abfahrzeitklasse. Ein paar Lenkertaschen und Dickbäuche versuchen hechelnd in meinem Windschatten zu lutschen, ein paar locker eingestreute 7 Sekunden Trainingssprints schaffen Klarheit an der Windkante - aber ich bleib ruhig, ganz ruhig.
Viehtransporte gehören verboten
Plötzlich treibt ein Bauer seine Schafe auf die Fahrbahn - ich in die Eisen, meine glänzenden Campas bringen die mattschwarzen Aerofelgen präzise zum Stehen. Es stinkt. Die Strasse ist voll von tierischen Exkrementen - na wir wollen doch heute abend nicht schon wieder das Rad putzen müssen! Da schiebt sich von hinten so eine Grausocke an mir vorbei und kommt genau vor mir mit dem Hinterrad in einem dicken Flatschen zum Stehen: Ich seh plötzlich nur noch behaarte Beine! Nein - nicht diese konturlosen leicht Behaarten - sondern so "10 Jahre keine Sonne"-käsige Stelzen mit richtig fett Fell auf der Patte! So Haare, wo auf den Haaren noch Haare zu sehen sind und der Übergang zu den Socken kaum zu erkennen ist! Ich sach Euch: E-kel-haft!!
Und dann dreht sich der Typ auch noch um und hebt die neongelbe Regenjacke um besser seine fünfstellige, in Folie eingeschweißte Startnummer präsentieren zu können! Unter dieser Optischen Beleidigung kommt ein Ötztal-Marathon Finishertrikot von 1816 zum Vorschein, leicht ausgebleicht an den Stellen wo es nicht von der Regenjacke überdeckt wird- das ist seit der legendären Neviges RTF von 1999 nicht mehr gewaschen worden.. Ein Geruch weht zu mir herüber- Paah! In dem Moment frag ich mich, ob der Viehtrieb hier vor oder neben mir stattfindet?!
Immer 10 Schläge unter GA1 - ich immer - standesgemäß - und Du?!
Hinter Koblenz steht dann wieder eine standesgemäße 34 auf dem Tacho, es geht leicht bergan, langes Teilstück, Schnellstrasse - und ich so in "Mitropa" Haltung: Handyknopf im Ohr den Erzählungen von meinem Trainingskumpel aus Malle lauschend, nen Riegel im Mund und mit der linken Hand durch die Pulswerte zappend - da kommt doch auf der linken Seite ein Rennradfahrer an mir vorbei! Blitzendes neues italienisches Aluminium, CarbonRearstay, Shimano Dura Ace(?!), verspiegelte Sonnenbrille, Kappy auf und 1a geölte Beine - keine Miene verzogen..
Ich denk so: "Meister - wohl zu früh aus dem Trainingslager zurück? Was soll den das Manöver, ich soll in deinem miefigen Windschatten existieren?? Das haben wir ja gleich!" Die Kette geschmeidig aufs 53er geliftet, zieh ich erstmal auf seine Höhe und hab vorher den Polar auf Durchschnittswertanzeige gestellt. "Na, auch im GA1 Bereich? Ich bin noch 7 Schläge drunter" linse ich auf seinen HAC der schon weitaus höhere Zahlen offeriert. "Das muss wegen der Hochspannungsleitung sein" seine gezwungene Antwort, während er sofort das Tempo weiter anzieht. Ich denk: "Geiiil - Zuck nur - Du übertrainierter Schnauzbart. Darauf hab ich doch nur gewartet!" Und so treib ich ihn weiter mit lockeren "Kraft am Berg" Tritten vor mir her. Der Kerl wills wirklich wissen, langsam beginnt mir das Ganze Spass zu machen. Mein Puls tuckert gleichmäßig in der Nähe der aeroben Schwelle: Ich geh noch zwei Gänge runter, hole tief Luft und setz mich mit geschlossenen Mundwinkel so neben ihn, das er meine entspannte Gesichtsmimik nicht übersehen kann - wir rollen mit knapp 42 km/h die inzwischen schätzungsweise sieben prozentige Steigung hoch.
Let the Race begin
Das Rennen hat begonnen: 42,5 - 43,1 "Ist das alles was Du zu bieten hast, Oliba?? Ich schick Dich zurück ins Grupetto. Dich mach ich platt wie Virenque den Mont Ventoux" 43,4 - 43,8 - 44,5! "Jaaaaa - Gib alles! Heute entkommst Du mir nicht. Heute kannst Du nicht nach Deiner Freundin im Hauptfeld gucken, heute hast Du gefrühstückt, heute kann es nur einen geben..."
45 - Meine Kette surrt ihr ewiges Lied. Ich hör von seinem HAC4 schon ein verzweifeltes Piepen von der weit überschrittenen anaeroben Schwelle und will gerade zum finalen Todesstoß ansetzen: "Armstrong- Blick zurück während einer maximalpulsorientierten hochtrittfrequenten Konterattacke" - was macht der Vereinsheini da? Er rettet sich durch einen spontanen Schlenker auf eine Nebenstrasse?! Aber nicht mit mir - du Semiprofi! Ich überspringe das Blumenbankett auf der Verkehrsinsel und nehm den Kreisverkehr in Gegenrichtung und stell im nach. Er wählt die einzig mögliche Ausfahrt aus dem Kreisel - es geht leicht bergab - kurvig! Tief unten ist der blitzende Rhein zu sehen - Ser-Pen-Ti-Nen! "Meister! Bergab gibts Dickenrabatt - das ist mein Revier, hier sitz ich am Ende der Nahrungskette!!
Bergab bin ich der Meister vom Ruhrgebiet!
Die Kette liegt jetzt glatt rechts wie sein Mittelscheitel. Wir ziehen mit 53/11 Innenlinie an Schulbussen vorbei. Die Kinder johlen uns zu und haben die Rasseln wie bei HEW schon in der Hand, wir schiessen mit knapp 100 km/h in Aerohaltung mit Hände hinterm Rücken und den Lippen auf dem Vorbau die langen Geraden hinunter. Die Blitze der fest installierten Radaranlagen gleiten an unseren verspiegelten Brillen ab wie Wassertropfen von einem frisch gewachsten Oberrohr. Ortseingang, Tempo 75, jetzt zeig ich dem Weichei mal, warum man mich den "Falken von Unterbarmen" nennt! Ich seh die letzten entscheidenden Kurven, ich wähle das Hinterrad eines silbernen Mercedes mit örtlichem Kennzeichen um mich in die geeignete Sprintposition ziehen zu lassen - mein Antritt kommt - die Kurbeln biegen sich unter den 840 Watt die ich beim letzten Leistungstest auf die Hirsch'sche Pedale gezaubert habe - meine Beine trommeln eine 130er Frequenz das Michael Hübner und Laurent Ganet sofort ihre Karriere beenden würden: Da! Der dicke weiße Strich - ich rausche an dem Möchtegern-Sprinter vorbei wie Cipo an Zabel - ich reiße die Hände hoch um das Laktatexpresslogo in den Innenhandflächen der rehledernen Handschuhe zu zeigen - ich seh es vor mir: das Podium - die Küsschen - die Frauen mit dem Sekt und den Prämien - das grüne Trikot - das Gelbe - das mit den roten Punkten...
Rote Punkte...
Die seh ich auch als die Wirkung der Narkose langsam nachläßt. Dr. Ringers Laktatlösung gluckert langsam in meine Vene und der große klobige Monitor neben dem Stahlrohrbett hält meinen Puls bei konstant 89 Schlägen!
Nicht das ich nicht Glück gehabt hätte - als ich laut Polizeiangabe mit Finaltempo 79 über die dicke weiße Linie des Stopschildes geknallt bin. Über die Kreuzung an der Uferpromenade gings zum Glück ohne Probleme - die Blumenkübel, das grüne Bänkchen mit den zwei staunenden Rentnern drauf und die kleine Mauer am Rheinufer waren da schon eher ein Hindernis. Was mich allerdings nur davor bewahrte mit noch heilem Rad auf der Wasseroberfläche aufzuschlagen. Einer zufällig anwesenden Tauschsportgruppe aus den Niederlanden habe ich wohl zu verdanken, das ich nicht in Klickpedalen zehn Meter neben dem Nibelungenschatz abgesoffen bin.
Sowas kann jedem Rennfahrer mal passieren
Diverse Brüchen an den Extremitäten, ne Menge Pizza auf den Schenkel - ich mein sowas passiert jedem Rennfahrer ja mal! Zwei Wochen und ich sitzt wieder im Sattel... Aber das Dilemma: Kiefer gebrochen! Und ich hatte doch, gerade aus dem Koma erwacht, von der Oberschwester als erstes die mir zustehende Renn-Wurst und das Regenerations-Bierchen geordert, mit Currysoße und Fritten. Und jetzt: Schiene vor der Kauleiste - Pilzsuppe aus dem Strohhalm - geschlagene zwei Monate lang!
Na, aber das Schlimmmste war, als mein Kumpel Jupp aus Stuttgart anrief: "Hö' mal Atze, wo bleib'se? Kettenriß?? Der Kaffee wird ha't!!"
(Dieser Text entstand beim zufälligen hören einer "Atze Schröder" Aufnahme auf dem langen Weg zurück von Südfrankreich! Wer das Original der Porschefahrt von Dortmund nach Bremen hören möchte, sollte sich schleunigst die CD kaufen und den Kreateur des Originals mit üppigen Tantiemen überschütten;-))
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Dezember.02: Jährlich kommt der Weihnachtsmann
Immer zur Adventszeit steigt die Spannung, nein, nicht wegen der Geschenke. Alle Radfahrer fiebern einem Termin am Anfang der Adventzeit entgegen. Neeeein - nicht Nikolaus, da bekommt man doch nur Kalorienbomben in die Gore-Socken geschoben. Wir meinen zwei Tage vorher: 04.12.02! Klingelt's? Genau, da kommt der Bike Workshop mit all den tollen Tuningteilen in den Handel. Und wer würd da nicht gerne wie Matthias O. morgens um 6.oo Uhr vor die Rolläden der Bahnhofsbuchhandlung hämmern, nur um als erster die neuen Teile in Augenschein nehmen zu können.
Der absolute Leichtsinn
Dabei hat der Workshop in den Jahren seines Erscheinens nicht an Faszination verloren. Wer sich hier sein Traumrad mit Edelkomponenten raussucht und die Gewichte zusammenaddiert kommt selten über 7 Kilo gesamt! Das ist doch schon fast wie Weihnachten und Ostern zusammen - wie schnell könnte man zum Beispiel nächstes Jahr bergauf fliegen, nachdem sich das im Vorjahr virtuell zusammengebaute 8 Kilo-Fully auf der Badezimmerwaage als behäbige "12Kilo+" Möhre entpuppte..
Aber der Katalog ist auch eine Orientierungshilfe für das alltägliche Leben des nächsten Jahres. Wenn der Fachhändler mal wieder nicht weiter weiss, stehen hier zumindest die Adressen von allen Importeuren, mit denen man das Problem unter geschickter Umgehung von gut ausgebildeten Fachhandelsstrukturen aus dem Weg räumen kann. Außerdem findet der aufmerksame Leser doch jedes Jahr wieder ein paar neue Internetadressen mit Bezugsquellen von diversen Leicht- oder Kultteilen, die einem zumindest für ein halbes Jahr wieder einen gewissen Vorsprung im Wettrüsten der Tuningpäpste sichert.
Euro gleich Teuro??
Dabei ist es dies Jahr komplizierter denn je. Schon immer galt die Regel: Ein Gramm = Eine Mark. Das Ganze scheint aber derzeit aus den Angeln gehoben zu werden. Wenn sich die Herren von AXLightness, Tune Skyline, Advance und WhiteBrother an die einfache Regel gehalten hätten, würden wir ja noch günstig davonkommen.
Aber das Beispiel Eggbeater offenbart eine seltsame Progression: 
300 g = 100EUR
266 g = 139EUR
230 g = 250EUR
218 g = 300 EUR
185 g = 400 EUR!!!!
Da bleibt es zwar einem Semiprofi-Mathematiker vorbehalten die Formel dafür auszurechnen, aber auffällig ist die Benutzung von geraden Summen schon, zack -glatt! Geht die Tunekurbel seit Euroeinführung generell für billig wirkende 199 Euro über die "Hibike" Ladentheke, scheinen jetzt neue Zeiten angebrochen zu sein: Weg von der Aldisierung von Preisstaffeln, es wird geklotzt. Es hat sich doch eh noch keiner von diesen tuninggeilen Yuppies an den Euro gewöhnt!
Immerhin schafft es der geneigte Teilzeitkrösus locker in diesem Katalog ein Bike mit einem Wert von über 20000 Euro zusammenzustellen, ohne Brillies und Goldplatt! Da haben die Leasingunternehmen bisher eine Marktlücke vollkommen verschlafen, wer macht da denn noch in Autos?
Bike Teile Memory
Aber der "Bike Workshop" hat auch andere Vorteile. Mit ihm lassen sich öde trainingsfreie Winterabende zu einer schönen Kurzweil umgestalten, Neein - nicht um damit stundenlang blätternd auf dem Klo zu sitzen. Man kann mit diesem Standardwerk der Bikeliteratur schöne Gesellschaftsspiele organisieren! Z.B: "Wie schwer ist der neue Vorbau F99 von Syntace auf Seite 287 und welche Farbe hat er??" Ok. Zusatzfrage: "Wie schwer ist er in Wirklichkeit bei einer Länge von über 50mm, z.B. 120mm und mit welcher Schraubengröße wird der Lenker geklemmt???" Na, da wird's doch schon schwächer...
Fortgeschrittene nehmen zu diesem Spiel als neutrale Schiedsstelle das Internet und da insbesondere die Seite der Weightweenies zur gerechten Hilfe. In Insiderkreisen wird das Spiel aber auch schon in einer verschärften HardcoreVariante gespielt: "In welchem Jahr erschien die D.A.R.T Kurbel mit austauschbaren Kettenblättern das erste Mal im BWS, auf welcher Seite/Spalte war das Foto zu sehen und wie teuer war sie in Euro umgerechnet???" Na, da wird den Jüngeren unter uns aber schon ganz schwummerig, da kann nur ein gut geschulter Senioren-Tuner mithalten.. Und da war ja auch noch Biopace - aber gabs den Katalog da schon?
Die Bibel, das meistgelesene Buch?
Aber ab Nikolaus, also ziemlich genau eine lange Nacht nach dem Erscheinungsdatum geht die Zeit los, in der man den genervten Einzelhändler dann nach den tollen Teilen fragt. Wenn die Firmen nicht schon von sich aus "frühestens erhältlich Sommer 2006" unter ihre voll ausgereifeten Produkte schreiben, dann dauert's mindestens bis Willingen, bis erste Teile an den Bikes erscheinen - leider meist nur bei Mannie Heymans oder an anderen Teamrädern.. Der sowieso uninteressierte Händler übt sich derweil in aufmunternden Durchhalteparolen: "Bis zur Vulkaneifel klappts bestimmt" oder: "Nein, komm am besten direkt nach Deinem Alpencross nochmal rein..." Und kurz vor November nennt man sie dann endlich sein Eigen, die neuen tollen Teile! Das Sie etwas schwerer sind, als angegeben macht ja nix, schließlich hat man selbst seit dem letzten Rennen auch ein wenig angesetzt..
Und im Dezember kommt er dann ja wieder, der Bike Teile Katalog 2004!
Mit vielen neuen superleichten Teilen: dann knacken wir mit nem Freerider die 6 Kilomarke, dann greifen wir wieder gnadenlos an...
Stichtag Mittwoch 04.12.03 - 6.00 Uhr in der Bahnhofsbuchhandlung!
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November.02 Alles Bekloppte...
Ihr kennt dieses ungläubig, liebevoll verständnislose "Ihr seit doch verrückt.." aus dem Mund eurer entfernt verwandten Tante, wenn Ihr von fernen Radsport-abenteuern erzählt? Ja? Außerdem verstehen alle "sportlosen" Verwandten kaum, daß eine Tour länger als fünfzig Kilometer Spass machen kann? Oder seit ihr schon von euren besten Freunden für größenwahnsinnig erklärt worden, weil Ihr mit wachsender Begeisterung immer schneller X mal eine Straße hochkeult, um anschließend, sozusagen als regeneratives Abfallprodukt, einen Singletrail runterzusurfen? Was sagen Arbeitskollegen, wenn ihr mal acht Wochenenden hintereinander quer durch Deutschland bei jedem stattfindenden Marathon an den Start geht und das Ganze auch noch toll findet? Allein das Ihr die Alpen nicht wie ein normaler Biker im Dicktritt-Trott überquert, sondern euch in acht Tagen, ohne Zeit zum Anhalten und Fotografieren, eine Stunde hinter der europäischen Marathonelite freudestrahlend die maximal mögliche Laktatdosis gebt? Das ist selbst für andere Normalradler nicht vollkommen nachvollziehbar.
Elf Brüder aus Bimbach müßt Ihr sein..
Da denkt man langsam, man ist total anormal und fängt an, an sich und seinem Lebensstil zu zweifeln - da bekommt man die Oktoberausgabe der Zeitschrift Tour in die Hand. Im großen "Jedermann-Report" liest man von den "elf Kegelbrüdern" aus dem Örtchen Bimbach, und deren Hang zu "sportlichen Radtouristiken" und dem rundum zufriedenen Typen der schon all seine nachgezählten 24 Medaillen von Radmarathons an eine Korkwand gepint hat wie eine Schmetterlings-sammlung. Nebenbei erfährt der von hinten blätternde Leser, das Radtourenfahrten ursprünglich von "Leistungssportgegnern(!!)" gegründet wurden (Na, da müssen die aber mal die überfahrenen roten Ampeln des RTF- Monuments von Dortmund- Holzen fragen).
Den Gipfel des "Das gibt's doch gar nich!" erreicht aber der 92fache Super- Cup Knacker, der es nur bei RTF's (2x150km a 4 Punkte pro WE) auf beachtliche 12000 Jahreskilometer bringt - und damit noch nicht mal der beste Punktesammler ist! Wahnsinn! Nur weil der Hardcorelangstreckler den Ostersonntag für die Familie reserviert und dadurch einen beachtlichen Nachteil gegenüber noch übereifrigeren Kachelfetischisten hat! Noch einen Schritt weiter geht die Tour, weil Sie eine gemeinschaftliche Arschplattsitzaktion im immer verregneten hohen Norden zu einer großen Kraftprobe hochstilisiert. Von Trondheim-Oslo als oberstes Saisonziel hatten bis letztes Jahr immer nur kilometerfixierte Frührentner vom Schlage eines Drees (Bikes and More) bei drohender Hungerast geredet.
An der Kappe eines Mannes erkennt man seinen....
Aber die Krone, Pardon, die "Cappelino" dieser Absonderlichkeiten gebührt dem Besitzer der größten Kappenschneiderei, Luciano B. aus I.: er versucht dem mittelmäßigen RTFler (50-120 Wertungspunkte im Jahr) die Kappe, unter oder statt Helm als wahres "Zeichen des Champions" unterzujubeln! Naja, da ist wohl mehr der Wunsch Vater des Gedanken: moderne Helme sehen mit Kappe drunter aus wie Arsch auf Birne, Punkt. Und nur Kappe - ohne Helm, das ist doch noch mehr Arsch mit noch weniger Birne, Sorry!!
Da hat das Berliner Radtouren- Urgestein mit der weißen Eierschale auf'm Kopp auf Seite 39 doch einen besseren Blick auf seine Tourenfahrerkollegen: Es gibt "Irre" und "nicht Irre", die einen fahren regelmäßig über 300 Kilometer am Stück, die anderen nur ab und zu - ach, so einfach ist das?!
Sind Saisonsportler Quartalsirre?
Eines wird einem beim Lesen dieser Tour aber glasklar vor Augen geführt: da draußen auf den ewig langen Landstraßen und Feldwegen fahren noch viel extremere Leute herum, als man persönlich für möglich gehalten hat. Irgendwie sind die oder wir doch alle auf liebevolle Weise etwas verrückt, oder je nach Sichtweise: einfach bekloppt - oder nicht?
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Weitere Berichte aus der Saison 2002 gefällig?
hier stehen weiter langatmige, kleingedruckte Berichte von Ereignissen in den Bikemedien, die uns in der Saison 2001/2002 interessiert haben..
take me there
November.03
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