Oktober 02: War Brägel unter uns?
Ist es Euch auch aufgefallen? Ja?! Da sitzt man schon den halben Monat mit der "Tour" auf dem Klo, und irgendwann geht einem das Licht auf: da fehlt was!
Nein, werdet Ihr jetzt sagen, die üblichen unnützen Ernährungstips und Leserfragen zum Thema "Leistungsknick" und "Schienbeinentzündung" sind doch da. Außerdem dieser lustige Bericht von dem Hobbyrennen, wo es nur eine Zeitnahme gab und deswegen der Veranstalter fast gelyncht worden wäre.. Überdies sogar ein RTF-Report von der 222 Talsperrentour in Gevelsberg - diesmal ausnahmweise nicht von Oberreporter Marbod.
Aber nach dem hundertsten Durchblättern, merkt man es ganz deutlich: der Anteil der lesenswerten Artikel ist erheblich reduziert: "Schutzblechreport"? Bleibt mir weg damit! "Thriathlon"? Ich hasse Wasser! Sowohl im Schwimmbad als auch auf der Strasse!!!
Brägel ist weg!
Aber da fehlt noch etwas lange Vertrautes. Zurück zum Inhaltsverzeichnis - man blättert diese Tour nach dem dritten Lesen immer von hinten durch - wo ist es denn? Die Zeitung ist schon dauerhaft auf die Eurobikeseiten aufgeknickt - da ist das immer sehr schwierig zu finden - da, hinter dem nichtssagenden Editorial: Das Inhaltsverzeichnis. Schnell unter "Rubriken" und "Hobbysport" geschaut - nichts! Zur Sicherheit nochmal unter "Prolog" und "Profis&Co" - auch nichts!
Das Lamm
Brägels Hobbysportler-Kolumne fehlt! Ein Skandal - wir hatten uns so an den Kerl gewöhnt, auch im wahren Leben. Was ist eine Rtf ohne einen gescheiten Brägel? Erst die großspurigen Ankündigungen: 1. Wir fahren locker und flach.. 2. GA1 Maximum, wir warten auch...3. Ich nehm das nicht so ernst... Da wird es doch fast schon als infame Androhung empfunden, wenn jemand zügiges GA2 Tempo ankündigt und das dann auch noch durchzieht.
Täuschen tarnen und...
Dann die vorgeschobenen Entschuldigungen bei der Begrüßung: 1. Saison-höhepunkt erst im November... 2. eitrige Angina gehabt... 3. mein Trainingsplan läßt das nicht zu.... Diese Enschuldigungen vorab lassen meist schon Böses ahnen. Entweder krepiert der Möchtegern-Brägel dann übermotiviert direkt am ersten Berg oder holt hinterhältig am allerletzten Berg beim Ausrollen zur Überraschung aller den MiniHammer raus. Auch gerne genommen: eine von allen anderen in Doppelreihe überrollte 5 Meter Kuppe wird zur ultimativen, überlegen gewonnenen Klassiker-Bergwertung hochstilisiert - nachträglich.
Alles erklären können..
Die Nachbereitung solcher Brägelrennen bereitet allen Beteiligten dann weitere Kurzweil. Der Wettkampf um die kreativste Ausrede wird von Brägel in Flopform jedesmal gewonnen: 1. Ich wollte den Tag lieber mit meinem/r Freund/in im Gruppetto verbringen, ich habe auf der Hälfte des Berges lieber mal gewartet... 2. Ich wollte ja nur Fotos machen.. 3. Ich fahre ja auch nur so zum Spass und lehne jede Form von Training ab... Und das sind nur die Klassiker, da gibts unendlich mehr!
Brägel muss zurückkommen!
Aber irgendwie fehlt er uns doch, der Brägel. Ohne ihn sind Radtouren zwar schön ruhig, aber irgendwie auch ein bißchen vorhersehbar, fast langweilig. Und das merken alle, nicht erst seit Brägel nicht mehr in der "Tour" seine Rubrik hat. Und manchmal beschleicht einen dann das unbestimmte Gefühl: Brägel ist Wuppertaler, er spricht nur nicht mehr durch die "Tour" zu uns - oder fährt neuerdings immer zu anderen Zeiten los...
September 02, Everyone's A Winner Babe, Thats For True...
Wer ist der/die beste Marathonfahrer/in auf der Welt? Die interessante Frage stellt sich dieses Jahr besonders: ist es derjenige, der die meisten Marathons gewonnen hat, sind es die erstmals gekürten Europameister, die Transalpgewinner oder die Sieger des Weltmeisterschaftsdemowettbewerbs? Sicher scheint aber eins - die Sieger sind fast immer Öschis!
Leider haben sich dieses Jahr die großen Marathonserien Veith und Eurobike Extreme selbst kastriert und nur je drei Wertungsläufe ohne Streichergebnis zusammenbekommen. Der Schwarzwaldmarathon fällt der FußballWM zum Opfer, (ein Armutszeugnis sondergleichen) und in Riva kann man auf der Ronda Grande statt Singletrail auch die schnellere Asphaltabfahrt nehmen!!! (Der Sicherheit der Teilnehmer zum Wohle) Da können wir demnächst auch in Arco um den Häuserblock sprinten, falls einer keine Berge mag..
Was bleiben denn aber sonst noch für Orientierungspunkte: die Klassiker wie Christalp, Roc dAzur und SwissBike Masters sind zu wenig von anderen Europäern besucht, als das sie als Gesamtleistungsvergleich herhalten können. Das gleiche gilt auch für die vielen Veranstaltungen die in Deutschland stattfinden. Ohne das es jemand gemerkt hat, ist die Trendsportart MTB-Marathon fast schon zu einer orientierungslosen lokal, oder bestenfalls national geprägten Massenveranstaltungs- Abzocke geworden!
Wenn, ja wenn da nicht die Östereicher wären! Dieses Land, in dem man ohne Geheimrat oder Doktor Doktor nicht mal den Opernball besuchen darf, hatte eine besondere Idee: jedes Dorf bekommt seine Weltmeisterschaft! Im Salzkammergut die offiziellen Europameisterschaften, in Kaprun die offiziellen Sideevents der Weltmeisterschaften (mit der Zulassung hat das mal noch nicht geklappt), in St. Johann/Tirol die RennradHobbyWeltmeisterschaften und als Krönung die World Games of MTB in Saalbach Hintertux oder so. Nur die Senioren-Weltmeisterschaften wurden dieses Jahr in Bromont/Kanada ausgetragen, da hat aber der Sportminister bei der Vergabe der Rechte nicht aufgepasst?
Und da die Österreicher als weltoffenes Volk bekannt sind, haben sie die ganzen Medaillenvergaben in die hintersten und abgelegensten Täler verlegt. Da freuen sich die Spanier, Portugiesen und anderen Europäer aber, das sie immer eine halbe Weltreise machen müssen um da anzutreten. Es scheint fast so, als wär der Autobahnmaut nur erhoben, um weitere unliebsame Konkurrenten abzuhalten. Fehlt nur noch, das die Pokale nur an Einheimische vergeben werden - die anderen dürfen zwar starten und gewinnen, aber die Titel bleiben im Lande (Sowas solls tatsächlich schon geben!). Das tollste an der ganzen Geschichte ist: die Alpenbewohner haben es geschafft, sich die Rechte für kommende Veranstaltungen auf Jahre hinweg zu sichern! Wenn also nächstes Jahr die MTB Weltmeisterschaften in der Schweiz stattfinden sollten, behält Kaprun die Rechte für die Marathon-Weltmeisterschaft. Da freuen sich aber die Amerikaner, Kanadier und Südamerikaner. Sie werden nie in den Genuss einer Weltmeisterschaft auf dem eigenen Kontinent kommen.
Dazu kommt noch, das für solche Titelkämpfe notwendigen Qualifikationen vollkommen fehlen. Da darf starten wer will, und wer Pech hat - oder keine Beziehungen - startet chancenlos aus Startblock F. Außerdem kann man noch Veith-typisch während der WM/EM die Länge der Strecke wählen, ja wo gibts denn sowas bei Titelkämpfen?? Das wär ja fast so, als wenn wir bei der CrossCountryWM plötzlich in der dritten Startreihe den Weg versperren und dann nach 2 Runden wegen Krämpfen aufhören und am Ende den 15. Platz auf der kleinen Runde belegen, weil alle Anderen die gesamte Distanz gefahren sind..
Fehlt nur noch, das die hoffentlich bald schon olympische Disziplin MTB-Marathon zeitgleich zu den Eröffnungsveranstaltungen 2004 in Athen mitten in Saalbach- Hinterglemm stattfindet. Und jeder kann sich anmelden, aber Beeilung, der deutschen Abordnung stehen nur 10 Startplätze zur Verfügung - Upsoluth MV versteigert diese dann im Januar gegen Höchstgebot...
Eine weitere Möglichkeit, möglichst viele Titel zu vergeben zeigt uns der Boxsport auf: da gibt es zig verschiedene Verbände und dementsprechend viele Meister! Wußte irgendjemand, das im April irgendwo im Hinterbergischen die "Deutschen Meisterschaften der Hobbybiker im CrossCountry" ausgetragen wurden? Und wer von den wenigen Teilnehmern weiß, das dieselbe Aktion ("Deutsche MTB Hobby Meisterschaft") vor kurzem im Badischen stattfand?? Naja - vielleicht treffen sich die beiden Deutschen Hobbymeister ja in Saalbach...
Wichtig scheint in Zukunft aber nur eins: das jeder radelnde Depp von sich behaupten kann "I bin a Woitmaista!" - und Sieger sind immer die Öschis - denn die sacken das ganze Startgeld ein!
August 02, Nomen est Omen
Es ist ja so eine Unsitte geworden im Marathonzirkus, das jeder Hanswurst in einem Team mit klangvollem Namen fährt - uns nicht ausgeschlossen.
Da steht in den Ergebnislisten neben Carsten Bresser/Team T-Mobile plötzlich Cordula Bornemann/Team Trampelpfütze oder so. Anfangs war das Ganze ja noch ziemlich lustig aber inzwischen nehmen diese Teamnamen doch etwas kuriose Überhand. Dazu kommt noch, das die meisten Scherzbolde eine Internetseite zur Selbstfindung und Darstellung publizieren! So wie wir eigentlich auch. Aber stört das wirklich jemanden?
Als Hobbypsychologe, Gesellschaftskritiker und Verhaltensforscher könnte man sich jetzt in die Theorie versteigen: "Die private Internetseite ist der Heckscheibenaufkleber des neuen Jahrtausends!" Hier zeige ich meine Gesinnung (bitte nicht hupen, Fahrer träumt vom BvB) - hier demonstrier ich Lebensgefühl (z.B. das ich meine Family schon fünf Mal ins Phantasialand geschleppt habe) - hier gehöre ich dazu (Opel Motorsport - Wuppertal). Das merkt man insbesondere im Stau, wenn man mal wieder dem "Jetta" vor sich vor Wut in den Kofferraum fahren will, weil da ein "Deine Armut kotzt mich an" Aufkleber permanente visuell Belästigung verbreitet. Der Vorteil von Internetseiten ist zum Glück, das diese Schwachsinnsverzapfungen und gestalterischen Frechheiten nicht komplett auf Autoheckscheiben zu abzubilden sind. Wer nicht lesen will, kann wegsurfen.
Angefangen hat das mit den Bike Team-Internetseiten eigentlich bei der vorletzten Transalp mit dem "Team catena-destra.it". Bisher ist zwar keiner auf den Gedanken gekommen, da mal nachzuschauen, aber Name zeigt wunderbar das Programm. Hier gehts augenscheinlich um schnelles Radfahren. Da machen Namen wie: "Die Turboschnecken", "Alpenbummler"oder "Käptn Blaubär" längst nicht so viel spektakulären Wind.
Von Mixed Teams hingegen stammen die poetischsten Wortschöpfungen: "Day Dreamers", "Flower Power" oder "Trans-Alp-Traum-Paar" signalisieren, hier gehts nicht um gnadenlosen Frauenweitwurf am Strick - hier fährt die Frau noch selbst den Berg hoch - und zwar mit Soul!
Da machen einige Masters schon wieder einen angestrengteren Eindruck: "House of Pain" oder "Dead or Arrive" deuten auf einen langen zähen Kampf mit Holger Meyers Schlussmotorrad hin, hätten aber auch Matthias Motto sein können;-).
Auffällig ist auch die Anzahl von Teams, die das Internet als aktuelle Kommunikationsplattform und Sponsorendarstellung nutzen: allen voran Altmeister Ralph Berner, dessen Vorbild "www.kettenblatt.de" wir es zu verdanken haben, das es den Laktatexpress im Netz überhaupt gibt!! Aber auch halbprofessionelle Biker haben inzwischen html im Dreierblock trainiert: "www.reevax.be", "www.4sports.at" und die "www.holomites.it" seien als Neuerscheinungen genannt. Wobei am Beispiel der Holomites zu sagen ist, das Platzierung in der Rangliste (zwischenzeitlich Rang 3) und Qualität der Seite manchmal im umgekehrt proportionalen Verhältnis steht.
Aber auch vor Nachahmern sind die Macher von solchen Seiten nicht mehr gefeit. Dies Jahr taucht plötzlich ein Team mit dem verhohnepiepelnden Namen "makrela-destra.de" auf. Auch der Laktatexpress wird Opfer von hemmungslosem Bootlegging: "Schwabenexpress" scheint ja noch eine lokale Seperatistengruppe von der Alb zu sein, aber "Laktatjunkies" ist schon ziemlich nah dran. Zum Glück sind die Jungs immer weit weg in Startblock C gewesen...
Und außerdem, welches Team hat schon seine Mission quer auf dem Allerwertesten stehen - aber stop - heißt das jetzt, wir sind die "Jetta's" im Singletrail?!?
Juli 02, Sponsored by Oma
Irgendwann hatte jeder von uns mal diesen Traum - stellt euch vor: es kommt Jemand und sagt mit berufener Stimme: "Junge/Mädel, Du hast Talent - ich zuviel Geld - ich sponsore Dich, Du mußt nur das Logo von meiner Firma auf deinem Trikot tragen und Hobbyrennen gewinnen!" Bingo! Jackpot!! Sofort kündigen und nur noch auf den Radspot konzentrieren, das bringts. Da zünd ich den Turbo, da bebt die Landstrasse - ok,ok, ich befind mich schon tief in der Seniorenklasse und freu mich eigentlich schon auf die nachlassende Konkurrenz in den Senioren2, aber für eine steile Radsportkarriere ist es nie zu spät. Schaut euch den Ludo Dierksens an, der fährt mit 39 noch in jeder Fluchtgruppe bei der TdF mit. Da knack ich doch locker die Spitzengruppe bei einer RTF im Münsterland.
Aber mal ehrlich, warum sollte so ein Geldgeber überhaupt auf die Idee kommen, einen Radfahrer zu unterstützen?? Wenn man mal genau die Trikots in seiner näheren Umgebung betrachtet, fallen einem vier Arten von Sponsoren auf:
1. Der große Automobil oder Sonstwiekonzern - hier sitzt das große Geld. Einmal an der richtigen Stelle im Marketing gebohrt und man sitzt auf einer nicht versiegen wollenden Quelle wohltuender Euros. Der Haken dabei, man muss wirklich was draufhaben und sollte nicht nur in der B-Klasse rumkrebsen. Außerdem bevorzugen diese "Big-Spender" erfahrungsgemäß lieber ein homogenes Team auf deutschem oder internationalen Niveau als einen zusammengewürfelten Haufen, der private Rennen im Stadtwald unter Ausschluss von Konkurrenz organisiert. Schade
2. Der Fahrradteile Hersteller - er kommt oft einfach mit aufs Trikot, weil es gut aussieht, wenn mehrer Sponsoren nebeneinander stehen - das lockt weitere potentielle Geldgeber. Die Gegenleistung besteht oftmals im überlassen von Naturalien, im schlechtesten Fall drei Ketten zum Werksabgabepreis und drei Euro teurer als bei H+S. Wenn es aber ein cooler amerikanischer Hersteller ist, umso besser. Aber Vorsicht, ein "Yeti" oder "Intense" Sponsoring wird hierzulande als ausgesprochen unwahrscheinlich angezweifelt!
3. Der Radsportgönner - der Typ hat zuviel Kohle und weiß nicht wohin damit. Er ist wie ein Diamant zu hüten. Man braucht keine Ergebnisse zu, kann er haben. bringen, der Kerl will nur ein Trikot mit seinem Logo drauf, super! Man muß höchsten mal mit dem Chef selbst radeln. Da darf es dann aber auch nicht schmerzen, wenn man ihm mal bei einer RTF ein Schild überlassen muß!!
4. Die Bäckerei "Maier" von nebenan - diese Sponsoren sind auf Vereinstrikots meist gut vertreten. Ist ja auch verständlich, lieber 20 Radfahrer aus der näheren Umgebung mit dem eigenen Logo versehen, als ein Taxi. Das ist meist billiger, weil die Radler keine Ahnung haben, wieviel eigentlich lokale Präsenzwerbung wert ist. Außerdem fallen die Radler immer ordentlich auf, weil Sie den Radweg nicht benutzen. Hier gilt: Je breiter das Logo auf dem Arsch und je öfter es in der Nähe des Einzelhandels bewegt wird, umso besser! Das die "Bestickerten" sich dann auch noch ab und zu in den Alpen über die Pässe quälen oder irgendwo bei C-Rennen in den Ergebnislisten stehen wird billigend in Kauf genommen. Aber egal, liebe Semiprofis, Kleinvieh macht auch Mist, und diese Geschäftskontakte entstehen meist sowieso da, wo man selbst schon als treuer Stammkunde das zehnfache für Backwaren bezahlt hat;-)
Zurück zum Traum des spätberufenen Profis
Der Job wird gekündigt, die nervende Freundin an den ärgsten Konkurrenten verkuppelt - wenn man nicht sowieso aus trainingstechnischen Gründen schon einen Halbtags- Beamtenjob ohne Verantwortungsbereich angestrebt hat.
Da hat man jetzt Zeit und Druck ohne Ende und kriegt plötzlich Räder zwischen die Beine geschoben, ja mit denen kann man doch nicht gewinnen!! Da hat der Teamchef wieder gespart und die bockschweren "Pro"-Teile geordert - anstatt der gewohnt ultraleichten "WCS". Der Sattel passt sowieso nicht und die Radmarke ist auch nicht kultig. Sind wir doch mal ehrlich, fast jeder von uns kann sich von zwei Monatsgehältern eine bessere Rennmaschine zusammenbauen, als sie der durchschnittliche TdF- Profi fahren muss. Da warten wir doch lieber wieder auf das Weihnachtsgeld und den späten Feierabend und fahren auch morgen noch nur vom Feinsten. Es gilt immer noch die umgekehrt proportionale Freizeit/Gehalts-Relativitätstheorie: No Kondition, no Time - but a Klein!
Dann noch das ernüchternde Rechenbeispiel zum Schluss
Da wird man jetzt, wohlgesponsert und be'hirscht' jedes Jahr um 10% besser - lass es mal bei der neugewonnenen Freizeit 15% sein. Da kommen diese jungen Schnösels wie Karl Platt und heben das Niveau an der Spitze um weitere 5% gesamt an. Da sehen ja selbst altgediente Recken wie Ralf Berner blass aus. Man selbst braucht dann rechnerisch noch 7 Jahre um die Lücke zu schließen und wenigstens am letzten(!!nicht ersten!!) Berg noch im Windschatten zu nuckeln.
Aber bis dahin ist vielleicht auch die Bäckerei "Maier" von "Kamps" geschluckt und man ist ganz nah dran am Marketingmann der Barilla AG und damit winkt die dicke traumhafte Sponsorkohle...
Juni.02: ..Neulich in Cronenberg
(wer sich nicht selbst erkennt, der werfe den ersten Stein - oder so..)
Wenn man schon mal an einem schönen Vormittag von seinem Lieblingsarzt in Cronenberg kommt, ist es Zeit mal innezuhalten und über ein paar entscheidende Dinge im Leben nachzudenken. Vor allem, wenn der Arzt einem die übliche Diagnose, mal lieber zwei Wochen lang kein Sport zu machen stellt - dabei fährt der Kerl selbst Rad und läuft Marathon! Egal, also rein in das sonnige Eiscafe auf dem Rathausplatz und sinnieren.
Kaum steht der zweite Cappuchino auf dem Tisch bricht Hektik unter den Kellnern aus. Eine Wandergruppe hat sich angemeldet, per Handy - total fortschrittlich - Waffeln sind online schon geordert. Da wächst doch die Neugier, was da jetzt für eine Truppe dem nahen Burgholz entsteigen wird.
Die Sonnenschirme sind gerade zurechtgerückt, da kommt auch schon die Spitzengruppe um die Ecke: Sonnenbrille beschlagen, die Mütze weit ins Genick geschoben kämpfen zwei rundliche Frührentner um den Etappensieg. Förmlich sehe ich den virtuellen Zielstrich direkt von meinem Tisch zum Blumenkübel gegenüber gehen. Die Beiden sehen es genauso und geben vor den fünf weiteren Zuschauern im Eiscafe alles. Der mit dem Stock gewinnt obwohl sein Bauch kleiner ist. An Tisch3 meine ich ein leichtes Raunen der Kinder gehört zu haben. Der Kellner nimmt die Beiden in Empfang und direkt die Bestellung entgegen: zwei Cola!! Alte Rennfüchse, die wissen wie man sich für den Rückweg fitmacht! Dann werden die Taschentücher gezückt und die Schweißperlen von der Stirn gewischt, cool down, möglichst relaxed wirken, die anderen müssen gleich kommen.
Es vergehen ca 3 Minuten seit dem Finish, da kommt urplötzlich die Hauptgruppe um die Ecke gebogen. Dicht gedrängtes Feld - vorne die Engagierten, erkenntlich durch die offen getragenen Wanderkarten.Mit leicht erhöhtem Tempo versuchen Sie den Sprint des Hauptfeldes abzuräumen. Mittendrin ein paar gutgelaunte 60er, die sich unterhalten und überrascht sind, das hier schon das Cafe ist (Da hat anscheinend keiner den Sprint angekündigt!) und hinten ein paar Versprengte, die anscheinend Mühe hatten, nach der letzten Straßenüberquerung im Windschatten mitzuhalten. Auffällig in der Gruppe ist, das die vielen Frauen fast ausnahmslos im vorderen Drittel platziert sind und wesentlich besser gelaunt sind als die Männer.
Die augenscheinliche Anführerin der gesamten Truppe regelt erstmal die Sitzordnung und übernimmt sofort alle weitere Kommunikation mit der Bedienung. Sie trägt zur Kennzeichnung eine modische Sportbrille mit gelben Gläsern, die bei dem sonnigen Wetter eine bewußtseinserhellende Wirkung auf der Netzhautrückseite hinterlassen müssen. Das Hauptfeld ordert hauptsächlich Kaffee, Wasser und die vorbestellten Waffeln, mit Sahne natürlich. Ich werde langsam neidisch, schrecke aber vor der langen Wartezeit zurück.
Der Cappuchino ist kalt, aber ich möchte den Gesprächen in der Gruppe heimlich lauschen. "Wie lange Sie schon da wären" werden die zwei Ausreißer gefragt. "So mindestens 10 Minuten" bestätigen die Beiden einträchtig. "Wo den der Johann bleibt?", fragt eine Andere. "Der ist bei seiner Frau geblieben, die kommen gleich", antwortet ein Mann schadenfroh. "Wieso, ich bin doch hier!" prustet daraufhin eine Frau in seinem Rücken.. Also Johann ist geplatzt, Willi mußte sich die Schnürsenkel neu binden und kommt deswegen auch später. Und ein Päarchen ist einfach so ab der Hälfte nach Hause abgebogen, ohne sich richtig zu verabschieden. Aber noch schlimmer sind die Müllers, die sind in den Alpen. Zehn Tage vom Bodensee zur Marmolata, "die werden ganz schön fit sein, wenn die wiederkommen".
Einer der besten Finisher aus dem Hauptfeld gibt vor versammelter Mannschaft zu, das er neuerdings in einem Fitness-Studio trainiert, "wenn's mal wieder regnet." Langsam wird die Unterhaltung spannend. Der Zweitplatzierte, spielt die Kraftraumnummer runter, alles nur Kinderkram. Er wird als alter Verbandsligakicker und Angehöriger einer Altersfußballmannschaft von den Anderen sowieso als Vorzeigeathlet verehrt. Der Erstplatzierte guckt derweil dumm aus der Wäsche, weil keiner aus der Gruppe gesehen hat, wie brilliant errungen sein Sieg doch war.
Dann kommt die Anführerin mit der gelben Deliriumbrille unvermittelt zur Hauptsache: Eine Radtour ist geplant! Ins Münsterland, auf Trekkingrädern, über abgelegene Strassen, drei Tage lang mit Übernachtung und Versorgungsfahrzeug. Einige Nachzügler bestellen noch was und lassen sich die Aktion nochmal erklären. Ach ja, locker wirds! Und flach solls sein! Auf den Spruch "der Langsamste bestimmt das Tempo" warte ich vergeblich. Aber es werden auch kritische Stimmen laut, die hohe Anzahl an Tageskilometern birgt Gefahren. Andere wollen hingegen partout nicht weniger als vierzig Kilometer pro Tag fahren, "da lohnt sich die Anreise doch nicht!" Die Mountainbiker der Gruppe malen sich schon Chancen aus "die Wege sind manchmal etwas schlechter.." werden aber von dem Fußballer getoppt, der sowohl ein nagelneues "Ullrich"- Rennrad hat, als auch die Gegend schon sehr gut kennt. Und so geht das verbale Aufrüsten vor der eigentlich harmlosen Radtour immer weiter.
Den Rest der Diskussion kann ich mir jetzt ausmalen und ich will gehen. Langsam befällt mich der schreckliche Gedanke, daß das bis ins hohe Alter einfach nicht aufhört. Überall wo Gruppen auftauchen dieselben Verhaltensmuster, dieselben Sprüche und Absurditäten. Zeitmessungen bei den Wanderveranstaltungen gibt es ja sowieso nicht. Dementsprechend wird sich gemessen und geprahlt, bis der dritte Herzinfarkt endgültig Einhalt gebietet. "Der Kurt, dem mußten sie jetzt die Nierensteine... ja, nach der Wanderung um die Ronsdorfer."
Zahlen bitte, ich glaub ich muß jetzt weg hier. Aber bis zum Eintritt in den Wanderverein bin ich wieder fit! Den kleinen dicken Fußballer schaff ich mit links und dann bin ich endlich Erster: Sieg auf der ganzen Linie - es sei denn die Müllers von der Alpentour....
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Mai.02: "Die ultimative RTF Knigge"
Es hat mal einer aus dem Laktatexpress gesagt, das immer noch jeder dazu in der Lage ist, den Anderen ab und zu mal Qualen zuzufügen. Das mag für konditionelle Belange vielleicht nicht ganz stimmen, aber seelische Schmerzen können auch grausam sein. Was für seelische Schmerzen? Wer hat noch nie wegen einer totalen geschmacksmäßigen Verirrung an Kleid, Körper oder Bike eines mitfahrenden Zeitgenossen Ekel verspürt oder gar ins hintere Peloton gekotzt? Na also, kennt doch jeder, deswegen hier die ultimativen RTF Do's+Dont's.
Hier erstmal die Klassiker:
- Gelbe Regenjacken - zumeist schon bei strahlendem Sonnenschein getragen, gehören in Kombination mit grauen Wollsocken zu den Standardverunstaltungen auf RTFs. Es könnt ja heute oder morgen noch regnen. Der Vorteil ist, das diese Jacken aerodynamisch so unvorteilhaft sind, das diese Gestalten meist nur kurze Zeit hinten in der Gruppe drinhängen. Bei den Socken gilt aber klassisch weiß, oder passend zum Trikot. Sonst nicht wundern, wenn der Hintermann versucht mit klebrigem rotem Eistee aus der Flasche, die Farbe der Socken etwas zu verändern.
- Kappe statt Helm - einige meinen ja das wär cooler, weil Jan das in Alpe de Huez auch so macht. Deswegen wird im Sauerland an den 250 Meter Hügeln auch kein schützender Helm getragen. Gerade weil RTF's meist in einer größeren Gruppe mit teilweise unerfahrenen Radlern gefahren werden total daneben. Und wer jetzt denkt, ist doch jedermanns eigene Entscheidung, der hat noch nicht darüber nachgedacht, das einen dann die lieben Mitfahrer mit offenem Gehirn wieder aus der Leitplanke ziehen müssen. Also Kappenfahrer einfach liegenlassen und an der Verpflegung Bescheid sagen.
- Teamtrikots - wer Anhänger von einer bestimmten Radsportgruppe ist, kann das ja mal zeigen. Aber bitte nur mit Originalrad! Telekomtrikot, Banestohose und Colnagokäppi auf einem Gios, das geht wirklich nicht!! Und wer schon professionell gekleidet ist, sollte mindestens einen 30er Schnitt in GA1 absolvieren können, und das vorne im Wind und nicht hinten lutschend. Generell ist allen schon damit geholfen, wenn Bekleidung, Helm und Rad insgesamt harmonisch kombiniert sind und einer nicht daher kommt wie eine Wurst in bunt. Sonst wird er nämlich gefressen, und zwar mittendrin.
- Vereinstrikots - fallen fast unter dieselbe Kategorie, die GS123 Radsportgruppen auf Mallorca machen vor, wie man sich da verhalten sollte um nicht als Kasperhaufen aufzufallen, dann können auch mehr als 10 Leute dieselben Trikots stilgerecht tragen.
- Die Beine - Unrasierte Waden signalisieren: mir ist egal was du von mir denkst, eigentlich bin ich a) Wanderer b) Mountainbiker c) Toupetträger d)ADFCler.. Leider sind diese Artgenossen manchmal stärker als einem lieb ist. Versteckt sich doch manch starker Muskel unter der Kraushaarmatte. Über die Leute sollte man sich spätestens dann nicht mehr beschweren, wenn man selbst schon Kettenschmiere am rechten Bein hat.
- Namen auf dem Oberrohr - das ist so eine Unart bei Triathleten, die Ihr Rad auf Hawaii einfach nicht wiederfinden. Auch bei Teamfahrerinnen, die auf Mallorca schon mal mit dem identischen Rad der Kollegin aus dem Keller kommen, mag das praktikabel sein. Aber für den normalen Radler ist das ein definitives Armutszeugnis, es hat doch jeder ein individuelles Rad, das ihn aus der Masse hervorhebt - da brauch keiner beim Vorbeifahren immer Peter oder Katja lesen müssen. Abknibbeln und zwar sofort!
- Parfüm in der Spitzengruppe - es gibt ja immer so einige Transpiranten, die riecht man schon ab der dritten Doppelreihe im Windschatten. Bei einigen ist der Geruch wirklich ekelhaft, weil das Trikot schon sichtlich Schweißränder hat und anscheinend seit März nicht mehr die Waschmaschine gesehen hat. Andere versuchen durch massiven Einsatz von Deodorant verzweifelt den eigenen Elektrolythaushalt zu schonen und die anderen im Windschatten in ein totales Sauerstoffdefizit einzunebeln. Diese beiden Typen und die, die am Vortag beim Spanier eine Überdosis Knoblauch gefressen haben gehören ans Ende des Feldes, pfuii.
- Übergroße Packtaschen unter dem Sattel - meist baumeln diese wie schlabbrige Hodensäcke unter den Sätteln von Leuten, die meist nichtmal die 100er Runde fahren. Einen Kettennieter haben sie dann trotzdem nicht dabei. Fragt sich was sonst noch in den Taschen rumschlingert. Dazu kommt noch, das die Dinger die Mitfahrer nerven, weil sie rappeln und klappern wie eine Aluflasche in einem Ringleflaschenhalter.
Und noch zwei, drei kleine Hinweise für die Pendanten:
- Logos auf den Reifen gehören immer auf Höhe der Ventile, das zeigt Symetrie und Liebe fürs Detail und kostet nix, sagt zumindest der Händler von Marbod.
- Weiße Lenkerbänder sollten sauber und wenn, dann auch blendendweiß sein, nicht schmandgrau.
- Überhaupt Rahmen bitte nie mit Farbverlauf lackiert, bitte Herr Ziemen!
Zum Abschluß noch ein paar TransAlp- und MTB- faux pas:
- Gummitiere auf Helm oder Lenker, das ist ungefähr genauso cool wie das Siegel am neugekauften "Flite" Sattel hängen lassen.
- Hörnchen, gehören in eine nahezu waagerechte Lage! Perfekt sind sie seitlich gesehen in Verlängerung der Mittelachse des Vorbaus - vorrausgesetzt der ist nicht auch schon bei +55° Grad.
- Hörnchen und Sattelstütze, in einer auffälligen Farbe oder 80er jahremäßig Magenta eloxiert oder gar bunte Biogrips sind definitiv out und eine Beleidigung wie Körbchen und Gepäckträger, oder Schutzblech bei strahlender Sonne!
- Vorder- und Hinterreifen, in verschiedenen Farben sind ein Verbrechen!! Du trägst ja auch nicht einen roten und einen schwarzen Schuh, oder?
Na also, dann klappt's ja auch mit dem harmonischen stilvollen Miteinander und demnächst können wir alle als Role Models für die Wallpaper herhalten.
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April.02: Fällt aus aktuellem Grund aus, siehe weekendnews.
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März.02: Für den ambitionierten Hobbyradler Ende dreißig gibt's genügend Herausforderungen...
"Profi-Dilettanten zwischen Lob und Demütigung"
(Ein Fundstück aus dem Netz, das uns allen zu Denken geben sollte.)
Ihre Beine sind glatter rasiert als das Kinn, Laktat verschmähten Sie schon immer als Brotaufstrich und wenn's um Zahnkränze geht, ist da nicht der Gedanke an Ihre Dritten, sondern an den blank geputzten "Elfer". Über dreißig ist für Sie kein Alter, wohl aber ein flotter "Schnitt". Statt 10'000 Mark in Fonds an der Börse arbeiten zu lassen, hängt Ihr Kapital gesplittet an der Kellerwand: Gezogenes Titan mit Hydraulikbremsen auf dicken Gummisohlen und ein dänischer Aluminiumrohrsatz, geerdet mit Hochprofilfelgen und 23 Millimeter schmalen Pneus. Weil Sie jene Bemitleidenswerten, die früher Ihre Freunde waren, bei jeder Ausfahrt am Berg versenken, nennt man Sie im Bekanntenkreis den "Profi." Das schmeichelt, sollte aber zu denken geben. Wahre Radrennfahrer vom Schlage eines Uli Rottler oder Heinrich Trumheller, in deren Windschatten Sie bei diversen Ausfahrten nach 130 Kilometern flotter Gangart schon mehrfach die Bleiente gemimt haben, rufen Sie schlicht "Hobbyfahrer" - und meinen "Dilettant".
In diesem Spannungsfeld zwischen unverdienter Überhöhung und mit Demütigung bestraftem Übermut zu leben - es ist eine Lust. Egal, ob's regnet, schneit oder die Sonne sich wieder mal versteckt, vom täglichen Ritt auf Mountainbike oder Rennrad kann Sie (selten) nur die mahnende Frage der geduldigen Ehefrau ("schon wieder?") abhalten. Ihren Job sehen Sie nur als lästige Unterbrechung zwischen zwei Ausfahrten, 300, im Sommer schon mal 500 Kilometer pro Woche im Sattel müssen's schon sein. Die abzureißen, ist ein Leichtes, wenn zwischen Ihrem Heim und jenem Ort, an dem Sie Ihr Arbeitgeber gerne täglich sieht, 40 Kilometer Asphalt und zwei hübsche Bergle liegen. Mit einem kleinen Schlenker wird's hin und zurück ein Hunderter. Radfahren - eine Schinderei? Nein, Lebensqualität. Der Körper, dem vor zehn Jahren die treibende Kraft aus reichlich Hefeweizen anzusehen war, dankt die mehr oder weniger heftige tägliche Belastung im Grundlagen- und Kraftausdauerbereich. Statt früher mit 78 Schlägen, pocht Ihr Ruhepuls heute 50-mal in der Minute. Kopfschmerzen, Grippe, Erkältungen? Fehlanzeige. Und, gestehen Sie's, auf dem Rad durchzucken Sie Geistesblitze, von denen Familie und Beruf profitieren. Wird Zeit, dass der Arbeitgeber eine Gesundheitsprämie zahlt.
Das Radjahr des Profi-Dilettanten, es beginnt im November. In Thermojacke, Neopren-Überschuhe und Gesichtsmaske gehüllt, treibt's ihn auch bei fünf Minusgraden raus - weil das Pedalieren auf der Rolle im Keller so lustig ist wie ein Plattfuß bei Tempo achtzig. Den Christbaum schleppt er auf dem MTB vom Markt nach Hause, an Silvester ist die Zeit der guten Vorsätze gekommen: mehr Kilometer, mehr Leidenschaft, schnellere "Schnitte", bessere Resultate bei (mehr) Rennen sollen's sein. Dass man mit Anfang vierzig eher dem Rentenalter zustrebt als einem Jungbrunnen, wird hartnäckig ignoriert. Drum ist im Frühjahr ein Trainingslager Pflicht. Wenn Martin Schmitt Anfang März zu letzten Höhenflügen abhebt und am Feldberg selbst die Skifahrer schneeblind werden, zieht's den Hobbyradler nach Mallorca. Zum "Einrollen", zwecks Formaufbau. "Urlaub" nennt die Ehefrau, was sich gestandene Familienväter dort in einer Woche antun. Nach sieben Tagen zeigt der Tacho 1100 Kilometer, erzwungen in gruppendynamischem Fahrzwang mit Durchschnittstempo dreißig. Schon mal Seit an Seit mit der x-fachen deutschen Meisterin Hanka Kupfernagel dürfen die Hobbyradler dort pedalieren und sich vom ehemaligen MTB-Bundestrainer Klaus Jördens über frisch geteerte Straßen in den Frühling lotsen lassen. Oder, angetrieben von Uli Rottler, freiwillig das Leiden lernen. Das Villinger Rad-Urgestein jagt, obwohl mittlerweile 46-jährig, bei Kriterien heute noch Zwanzigjährige vor sich her und hetzt auf Mallorca seine "Gruppe eins" am Ende der Königsetappe über den Puig Major nach knapp sieben Stunden im Sattel und zweihundert Kilometern gern mit Tempo 50 ins Ziel. Zurück von Deutschlands Ferieninsel ist der Hobbyradler entweder krank oder so robust, dass er von Heldentaten träumt. Was tun mit der Form? Sind Sie Maso-chist, ein begnadetes Talent und bringen selbst bei Brechreiz noch die Last von einem Sack Zement als Druck aufs Pedal? Dann lösen Sie eine Lizenz. Sind Sie Realist? Dann vergessen Sie's.
Die Zahl jener Spätberufenen, die bei harten Straßenrennen nicht regelmäßig im Besenwagen landen oder Cross Country auf dem MTB für Furore sorgen, lässt sich an einer Hand abzählen. Jan Ullrichs beginnen ihre Karriere nicht mit Ende dreißig, sondern als Zehnjährige. Taktik, Kurventechnik, Tempohärte müssen Rennfahrer erlernen wie Lesen und Schreiben.
Drum bleiben, trotz Ullrich-Boom, im Radsport-Entwicklungsland Deutschland Lizenzrennen einer kleinen Elite vorbehalten. In jeder Stadt gibt's mehr Fußballer als zwischen Lörrach, Offenburg und Singen "richtige" MTB- oder Radrennfahrer. Rund 200 lizenzierte (Straßen-)Amateure, kaum mehr als ein Dutzend Frauen, dazu rund 80 Mountainbiker, jeweils 60 Junioren und jugendliche Tretarbeiter sind in Südbaden registriert. Kaum Zehnjährige für den Rennsport zu begeistern, verlangt Behutsamkeit. Die garantieren rührige Trainer in Merdingen, aber auch auf der rauen Baar beim RC Villingen und RSC Donaueschingen. Um den Nachwuchs auf Stollenreifen zu fördern, hat der Badische Radfahrer- und Motorfahrer-Bund (BRMB) die MTB-Rennserie um den "Kid's Cup" ins Leben gerufen. Sieben bis 13 Jahre alt sind die Kinder, die in bis zu 130 Köpfe zählenden Starterfeldern bei der Fahrt über Stock und Stein erstmals Rennatmosphäre schnuppern.
Und Sie, den verkannten Profi Ende dreißig, der nach Wettkämpfen lechzt, haben die Rad-Funktionäre einfach vergessen? Gemach, es gibt keinen Grund, Bike und Rennrad vor lauter Frust zu zersägen. Gelegenheiten gibt's reichlich, das Ego hechelnd spazieren zu fahren. Sprinten wie Erik Zabel? Lassen Sie das die Twens versuchen. Weil Sie ein bisschen langsamer, aber je länger desto lieber kurbeln, wartet (theoretisch) von April bis Oktober fast jedes Wochenende eine Herausforderung. "Radmarathon" heißt das Zauberwort, mehr als 70 kraftzehrende Ausdauerprüfungen auf Asphalt mit bis zu 300 Kilometer Streckenlänge hat der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) in seinem Breitensportkalender aufgelistet. Oder Sie rubbeln als Hobbyfahrer bei der MTB-Rennserie um den Schwarzwälder Tälercup durchs Gelände, um sich auf die Mountainbike-Marathons in Kirchzarten und Furtwangen einzustimmen, und kurbeln zwölf Stunden lang rund um Todtnauberg. Alles nicht lang, schwer und hart genug? Dann müssen Sie eine Fähre buchen, um auf dem Rennrad Ihrem Traum vom ultimativen Ausdauerabenteuer näher zu kommen: Trondheim - Oslo, 550 Kilometer binnen 24 Stunden. .
(Laktatexpress möchte hiermit ausdrücklich betonen, dass dieser Artikel ein Fundstück aus dem Internet ist und wir uns diesen nicht zu eigen machen wollen!)
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Februar.02: Die Schwellenvielfalt
Kaum ist schönes Wetter und alle rollen mit den Rennrädern durchs flache und das Bergische Land. Das Rainer, der immer extra aus München zur Stadthalle kommt, dabei in der Sonne stehen bleibt ist schade, aber eine andere Geschichte.
Bei den Königen/innen der Landstraße bleibt immer die Zeit für einen lockeren Plausch, wie Hürzeler treffend bemerken würde. Das dominierende Thema dabei ist und bleibt die Pulsfrequenz! Da gibt es ein babylonisches Sprachenwirrwarr, weil jeder redet am Berg von irgendwelchen Schwellen, unter oder über denen er sich gerade befindet. Da gibt es Grundlagenschwellen, GA1/GA2 Schwellen, Laktatschwellen, Kraftschwellen, Eisenbahnschwellen undsoweiter....
Dabei ist das doch gar nicht so schwer, meine lieben Rennradler, da waren jetzt doch alle beim Hirsch von Medisport und damit müßten die Begrifflichkeiten doch für alle gleich sein??
Wir haben extra nochmal im Duden nachgeschaut und wollen da jetzt was klarstellen: in Peter Konopkas Buch "Radsport", was sicherlich bei jedem von Euch neben dem Klo liegt, steht sehr schön erläutert auf Seite 125 eine Grafik zum Thema Laktat-Leistungskurve. Und da gibt es nur zwei Schwellen!!!
Die erste Schwelle erreicht man bei 3mmol/l Laktatkonzentration im Blut, das entspricht exakt der Aeroben Schwelle, die Ihr alle vom Hirsch genannt bekommt habt! An der kann man bei Wettkämpfen, bei entsprechendem Energienachschub auch einen ganzen Marathon ohne Leistungsverlust zuende kurbeln.
Die zweite Schwelle ist für Marathonisti nicht wichtig, weil da sollte man tunlichst sowieso nicht fahren, das ist bei 6 mmol/L die Anaerobe Schwelle! Darüber beginnt der Spitzenbereich, der nur für kurze C-Rennen irgendwie wichtig ist, oder das nächste Ortsschild;-) Wer das genau wissen will, nimmt sich seine Hirsch- Kurve und legt bei 6mmol/L ein Lineal an, und schaut was er da für einen Puls hat.
Der Entwicklungsbereich liegt zwischen diesen Beiden Schwellen und wird wettkampfspezifischer Bereich genannt, wie der Name schon sagt..
Und jetzt kommt der Hauptpunkt: es gibt keine Schwelle zwischen GA1 und GA2!!!! Trefflich wird in dem Buch der gesamte Grundlagenausdauerbereich in einem Kapitel abgehandelt.
Wenn Ihr also vom Hirsch einen Richtwert für lange lockere Grundlageneinheiten bekommen habt, dann ist das ein Richtwert!!!!! Keine Schwelle, es verändert sich da vom Stoffwechsel her gar nichts, zumindest in dem Augenblick. Das Einzige was einem passiert , wenn man längere Zeit seine Richtwerte überschreitet, ist, daß man sich in den Keller trainiert, mehr aber auch nicht;-)
Des weiteren verliert dieser Richtwert für diejenigen, die eine gute Grundlage haben im Laufe der Vorbereitung ein wenig seine magische Bedeutung, aber das wird der Herr Kettmann bei gutem Grundlagentraining beim nächsten Test auch sagen. Außerdem, wer dauernd genau an diesem Richtwert rumprügelt, macht sowieso was falsch. Wie wir den Richtwert nennen sollen, können wir ja derweil in Carstens Chatroom diskutieren.. . Bis dahin aber bitte nicht mehr auf der Landstrasse von einer GA1 Schwelle reden, es gibt Sie nur im eigenen Kopf.
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Januar.02: Wer bin ich?
Es ist Mitte Januar, die guten Vorsätze sind vergessen, das Wetter gibt einem jetzt die Zeit, die Bike zu lesen und über ein paar unnötige Dinge zu philosophieren. Da kommt der Fragebogen zum Federgabeltest gerade recht: was für ein Typ Biker bin ich eigentlich?
Wer beim Zahnarzt im Wartezimmer schon mal die Brigitte gelesen hat, kennt diese Art Test: man füllt 27 Kästchen aus und der kleinste gemeinsame Nenner ist die Lösung! Am Ende liest man alle Ergebnistexte und kommt zum Schluß: Ja, das ... und dann wird man schon unsanft ins Behandlungszimmer gerufen.
Aber jetzt sitzt man da, alleine mit der Bike, und wird die Antwort definitiv bekommen. Das die Stollenreifen-Yellowpress keine Antwort auf die Frage hat, warum wir auch RTF fahren, war klar. Und das bei Kriterien die Tretlager etwas höher und die Carbongabeln etwas robuster sein sollten;-) , dafür ist ja eigentlich auch die Tour zuständig...
Aber was für eine Federgabel kommt jetzt an mein neues Fully? Was bin ich eigentlich für ein Typ? Ankreuzen und die Erleuchtung kommt. Denkste! Nach der Hälfte der Fragen stellt man fest: Drei von vier Kästchen pro Frage sind mit Kreuzen vollgekrickelt! Bergaufqualitäten? Natürlich, wie soll ich sonst die anderen an der Kuppe abledern! Bergab über dicke Steine tragen oder Augen zu und volle Pulle drüber? Was für eine Frage?! Bin ich Wanderer?? Putzen und Wartung? Na Gut... Ah Vorbilder: Paola Pezzo oder Shaun Palmer? Ja! Beide!!!
Spätestens jetzt fällt auf: entweder, wir sind gespaltene Persönlichkeiten und gehören in die Klappsmühle, oder wir gehören in die Kategorie, die man kurz mit "aggressive crosscountry competitive endurance soulrider" bezeichnen könnte. Damit lässt einen die Zeitung dann auch im Stich und liegt mit Ihrer Vierklassen- Schubladeneinteilung voll daneben.
Am Ende bleiben mehrere Erkenntnisse:
1. leichter, steifer, mehr Federweg - aber blockierbar, wie immer
2. neben Paola und Shaun hängt jetzt auch noch Lance
3. auf dem Klo hat man mehr Zeit zum Lesen als beim Zahnarzt...
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Dezember.01: Testvehikel 
Einige von Euch haben sicherlich auf www.bike-magazin.de am 05. November 2001 "Downhill ferngesteuert" gesehen?! Das konnten wir nicht unbeantwortet lassen
Neulich auf dem Hornbachparkplatz:
Wieder ist Daniela Bargholt die jenige, die als erstes neues Gerät testet. (Sie darf auch schon mit dem neuen X.O Schaltwerk von SRAM spielen) Allerdings sind Daniela Geländefahrzeuge so wie H-Ball und John Tomac sie laut bike-magazin steuern viel zu langsam. Kroschi-Teampartner Skoda Auto hat kurzum für Daniela einen Skoda Octavia World Rallye Car im Maßstab 1:10 gebaut.
Daniela über den WRC - Fahrverhalten - Fahrleistungen -Technik und mehr :
Mit dem Skoda Octavia WRC sind die Testfahrten viel realistischer als mit so einem lahmen Geländemonster. Okay- Downhill ist auch was anderes als Marathon. Der Skoda Octavia hat 1,1 PS, Allradantrieb und rennt über 100 km/h Spitze. Ich bin begeistert ! Das nicht schon früher einer auf die Idee gekommen ist !? Meine Reaktionszeit hat sich nach nur wenigen Testfahrten erheblich verbessert. Ich kann die Erfahrungen der US-Boys nur bestätigen.
Das sagt der Kroschi Teamchef zu den neuen Testmethoden mit dem Skoda WRC: "Die Daumen von Daniela sind viel geschmeidiger geworden und auch das Reaktionsvermögen hat sich stark verbessert. Doch beim Treppensteigen schnauft Daniela neuerdings immer mehr. Ich denke - wir werden das Projekt wieder stoppen."
Ciao - reiner kroschinsky
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November.01: Das Säure-Base Dilemma 
Eigentlich ist das Thema schon wieder durch. Dier Bericht in der Tour schlug ein wie eine Bombe! Nachdem sich alle PH Meßstreifen gekauft hatten und ein regelrechtes Wett-Zielpinkeln losging, wurde fast jedem klar: Die aktuelle schlechte Form kommt von übersäuerung! Dazu noch das Gerücht von astronomischen Creatinkineasewerten, da muß einem ja schlecht werden. Eine kurze Internetrecherche ergab diverse Mittelchen aus der Ökoapotheke bis hin zu recht seriösen Mitteln wie Basica. Die haben dann auch eine lustige Internetseite mit Säure-Basenrechner.(den Link gibts, wenn wir gelernt haben Links zu legen)
Nach einiger Zeit wurde das Spielchen aber langweilig und alle sind zum alkoholvernichtenden Alltag übergegangen. Obwohl man manchmal doch das Gefühl hat, einige trinken wesentlich mehr Milch als vorher. Das mag aber auch an der hochgradig verkeimten Espressomaschine in der Firma liegen. Kleiner Tip für Hochleistungssportler unter Euch: Medizin für schwer Nierenkranke, garantiert superbasisch und bringt die entscheidenden 15 Sekunden. Ihr müsst nur bei Eurem Hausarzt 'ne Nierenkolik vortäuschen und schon seid Ihr die Könige für einen Tag.
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Tour/Bike EXTRA
an dieser Stelle wollen wir in Zukunft auf aktuelle Themen der Bike eingehen, haben aber gerade vor lauter programmieren keine Zeit die Zeitschriften auswendig zu lernen..
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